Die Rabenmutti
Montag, 4. Februar 2019

Kurtagebuch: Aufenthalt in der Celenus Fachklinik Bromerhof

Tag 4: Tag des Ausfalls

Wieder einmal haben wir ein wenig verschlafen. Um 8.30 sollte ich zur Begrüßung der Leitung im Café sein. Um 7.20 sind wir aufgewacht. Wir haben es dennoch geschafft. Uff. Während Michael wieder zur Eingewöhnung (heute 30 Minuten) gestartet ist, hat Claire neuen Mut gefunden: Sie war erneut in ihrer Betreuung. Ich habe der Begrüßung gelauscht und bin anschließend zu Claire geschlendert um sie abzuholen.

Sie stand (allein!) weinend an ihrer Gruppentür und kam mir entgegen. Ich habe sie getröstet und eine Erzieherin angesprochen wie lange sie denn schon weint und was passiert sei.

 „Noch nicht lange. Sie wollte zu ihrem Papa (in der Gruppe nebenan), aber das geht halt nicht.“

Grinsend ist sie abgerauscht und ich wurde fassungslos zurückgelassen. Mir ist völlig klar, dass Kinder auch mal weinen. Das ist normal und ok – sofern sie angemessen betreut werden. In diesem Fall hätte ich mir Zuwendung, Verständnis und Trost gewünscht. Stattdessen wurde sie allein gelassen. Auch bei anderen Kindern habe ich das bereits mitbekommen. Ein anderes Kind erzählte mir am Abend, dass sie geweint hatte, aber die Erzieherin die Mutter nicht rufen wollte.

Tränen, Tränen überall

Auch hat mich der Bericht meines Mannes bedrückt: Er war wieder bei Maries Eingewöhnung, erste Mütter haben ihre Kinder abgegeben und sind gegangen. Manche Kinder (1-1,5 Jahre) haben 30 Minuten unentwegt geweint. Doch die Eltern wurden nicht informiert. Eine Situation blieb meinem Mann besonders im Kopf: Eine Mutter gab ihr Kind ab, es weinte 30 Minuten nach ihr. Als sie da war, hatte es sich schnell beruhigt. Doch kaum vergrößerte sie den Abstand zum Kind (sie wollte ein Taschentuch holen) um mehr als einen halben Meter, fing es wieder krass zu weinen an.

Ein klares „Bleib hier Mama! Lass mich nicht wieder allein!“ Als er mir das erzählt hat, musste ich die Tränen wegdrücken. Ich möchte keinesfalls, dass es Marie auch so ergeht. Leise Zweifel kamen erneut hoch und ich hoffe so sehr, dass die kommende Woche ausreichen wird, um die Bindung zur Erzieherin zu stärken… Allerdings habe ich Angst, dass ich im Notfall ebenfalls nicht benachrichtigt werde…

Gespräch dringend erwünscht

Verhalten wie dieses lässt mich ehrlich gesagt an einem liebevollen Umgang zweifeln… Ich glaube nicht, dass hier die Bedürfnisse der Kinder Ernst genommen werden. Das macht mich traurig und lässt mich ratlos zurück. Am Montag werde ich das ansprechen und hoffe eine Lösung zu finden.

Trotz Tränen und Trauer konnte ich Claire überzeugen zum Kinder-Turnen zu gehen – das hatte ihr am Vortag bereits Spaß gemacht. Anschließend wollte ich mit Marie zur Babymassage und habe gewartet, und gewartet. Es kommen andere Mamas dazu und wir warteten zusammen und… niemand kam. Zwei Mamas wollen sich an der Rezeption informieren und kommen auch nicht wieder zurück. Es fällt wohl aus, dachten wir uns, und gehen ebenfalls herunter. Die beiden anderen Mamas saßen bereits im Café. Ich ahne es schon: Der Kurs ist ausgefallen, ohne Ankündigung. Das war etwas ärgerlich – wozu gibt es denn das schwarze Brett, wenn es nicht genutzt wird?

Entspannungsübungen mit lustigem Effekt

Egal, ich habe mich auf meinen nächsten Kurs gefreut, für den ich mich freiwillig gemeldet habe: Entspannungsübungen. Michael kommt, um Marie in Empfang zu nehmen. Er kümmert sich um beide Mädchen während ich im Kurs bin. Wieder frage ich mich, wie das alles zu schaffen wäre, wenn ich keinen Mann dabei hätte?

Die Entspannungsübung war eine Mischung dreier Methoden: Progressive Muskelentspannung (oder so), autogenes Training und Fantasiereisen. Ich wurde sehr schläfrig und hatte viele Gedanken im Kopf, die ich einfach nicht ausschalten konnte. Zur Fantasiereise bin ich dann weggenickt, nix ging mehr. Entspannt war ich also – allerdings meinte die Trainerin schon vorab, dass man besser nicht einschlafen sollte, da das passive Entspannen nicht so wirksam sei. Oopsie…

Claire braucht dich!

Im Anschluss gibt es Mittagessen (Fischstäbchen mit Kartoffeln und Spinat) serviert. Es war wieder ok. Ich mag die Salatbar und die täglichen Suppen gern.

Dann möchte ich Marie zunächst hinlegen während Claire und Michael im Turnraum ihr Unwesen treiben. Kurze Zeit später erhalte ich eine Nachricht: „Kannst du dich um Claire klümmern? Sie braucht dich!“. Marie war eingeschlafen, also bitte ich ihn mit Claire hochzukommen. Außerhalb des Zimmers dürfen wir uns zur Ruhezeit nämlich nicht aufhalten (im Abenteuersaal übrigens auch nicht, wie wir später erfahren sollten).

Es gab wohl Ärger im Abenteuersaal – Jungs hatten sich in einer Höhle verbarrikadiert und wollten Claire nicht mitspielen lassen. Das hat ihr zugesetzt. Ich nehme an, da schwang ein wenig Frustration vom Morgen mit. Wir kuscheln auf der Matratze gelegt und schmusen den Kummer hinaus. Es geht ihr besser 🙂 Da ich aber soooo müde bin und Michael ebenfalls, darf sie ein wenig ans Tablet. Während sie spielt, schlafen Michael und ich zusammen mit Marie im Bett.

Brommel kommt auch nicht

Das tut unglaublich gut! Das frühe Aufstehen ist wirklich nichts für mich… Uff. Ich bin eine Eule. Wir haben entschieden eine Runde Schlitten fahren zu gehen, ehe Brommel kommen sollte – das Maskottchen des Bromerhofs. Allerdings fiel auch sein Auftritt aus.. Schade, ich hatte Claire schon wild drauf gemacht… Eine neue Runde Abenteuersaal steht stattdessen an! Anschließend gibt es Abendbrot und wir haben die Mädchen erneut spielen lassen.

Bevor wir ins Zimmer gehen, werden wir von der Rezeptionistin angesprochen, ob wir Zimmer 230 wären. Wir bejahen und sie gibt mir recht unfreundlich die Information, dass ein Paket für mich gekommen sei (Juhuu unsere Matschhosen) und wir doch jeden Tag nach unserem Postfach fragen sollten. Ich entschuldige mich und bedanke mich für das Paket. Der Ton so mancher Mitarbeiterin ist hier etwas rau. Was ich schade finde, ich bin doch in meiner Heimat und habe mich so gefreut hier zu sein! Immerhin geht mir immer sofort das Herz auf, wenn sie im Dialekt mit mir sprechen – wie zu Hause bei Papa <3

Die Stimmung ist durchwachsen

An diesem Tag habe ich mich mit ein paar Mamas unterhalten und ganz verschiedene Meinungen zur Kur gehört. Viele Mamas waren unzufrieden über die Betreuungssituation ihrer Kinder. Sie hätten sich mehr Zeit für sich gewünscht, stattdessen müssten sie sich sehr viel um die Kinder kümmern, weil Betreuung/Anwendungen ausfielen. Das „Aufeinanderhocken“ sei sehr anstrengend und schwieriger als zu Hause. Auch das Ausfallen der Anwendungen verärgerte einige.

Andere waren froh, dass die erste Woche so seicht ist und man so viel Zeit für die Kinder habe bzw. richtig ankommen kann. Wie immer gibt es gespaltene Lager.

Kein Anschluss unter dieser Rabenmutter

Ich ärgere mich vor allem über die Betreuungssituation und hoffe, es wird nächste Woche einfach besser. Und es wäre toll, wenn es auch bei mir nun endlich losgehen würde. Es haben sich nun langsam Grüppchen gebildet, doch Anschluss habe ich mal wieder nicht gefunden. Ich merke, dass ich mit meinem Bild über Kinder auf taube Ohren stoße. Beispielsweise hatte ich mein Problem mit der Betreuung geschildert und bekam zu hören, dass manche Kinder „eben einfach so weinen“ würden. Nein. Da stelle ich mich klar dagegen. Hinter jedem Weinen steckt ein Bedürfnis. Vor allem bei Kindern in einer fremden Umgebung mit fremden Menschen!!!

Würde man zu einer Erwachsenen sagen, stell dich nicht so an? Oder, dass sie halt einfach nur so weint? Ich denke nicht. Bei Erwachsenen ist es völlig normal ihnen Zeit zu geben, sich an neue Begebenheiten zu gewöhnen. Sei es im neuen Büro oder nach einem Umzug. Kinder müssen aber alles schlucken. Das ist so so so traurig, wirklich. Kinder sind in manchen Köpfen nicht viel wert…

Ich hoffe, dass ich noch jemanden hier finden werde, dem die Bedürfnisse der Kinder ebenso wichtig sind und mich verstehen kann. Morgen ist erstmal Wochenende, da liegt nichts an. Wir werden wohl das Schwimmbad testen und ein bisschen entspannen.

Allgemeine Ausfälle: Horchwache, Eltern-Aktion (Tupperabend)

Tagesplan:

  • 8.30 – 8.50Uhr : Begrüßung der Klinikleitung (ohne Kinder!)
  • 10.30 – 11.00 Uhr: Babymassage (Ausgefallen)
  • 11.30 – 13 Uhr: Mittagessen
  • 12.00 – 14.00Uhr: Ruhezeit (auf dem Zimmer oder außerhalb d. Geländes)
  • 17.00  19.00 Abendessen

Von |2019-02-04T19:13:08+00:00Februar 4, 2019|Kategorien: Dies & Das, Muttergefühle|Tags: , , |0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:

Wir benutzen Cookies - Mit der Nutzung dieser Seite erklärst du dich einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr lesen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen