Ich habe schon viele Angebote genutzt, um unser Familienleben erträglicher harmonischer zu gestalten: ein Mama-Coaching, eine achtsame Familienberatung, eine telefonische Impulsberatung vom FamilyLab, eine bindungsorientierte Familienbegleitung, Emotionelle Erste Hilfe… Sie haben sich gut ergänzt, da sie verschiedene Punkte in den Fokus genommen hatten. Eine Gemeinsamkeit haben sie aber dennoch: Sie kosten Geld. Und zwar nicht gerade wenig.

Wo gibt es Hilfe?

Das ist per se nichts Schlimmes. Im Gegenteil. Qualitativ gute Beratung darf und muss Geld kosten. Keine Frage. Aber leider ist nicht jede Familie gut gestellt. Nicht jede Familie kann sich diese Angebote leisten. Wohin können diese sich wenden?

Selbstverständlich gibt es kostenfreie Angebote – über die Kirche beispielsweise. Damit habe ich – und andere bindungsorientierte Eltern aus meinem Dunstkreis – bisher weniger gute Erfahrungen gemacht. Hier wird eben oft dazu geraten, dass Eltern durchgreifen müssen, Kinder müssen gehorsam sein. Leider sind die Ratschläge oftmals von alten Mustern geprägt.

Kinder müssen sich unterordnen

Wer ebenfalls nach alten Mustern großgezogen wurde, knickt häufig ein. Ist ja auch alles logisch. Wenn der Experte das sagt, dem ja auch ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wird, wird es schon stimmen. Sie raten oft zu Konsequenzen (ein echt nettes Wort für Strafen) und sprechen davon, dass Kinder sich unterordnen müssen. Von Augenhöhe und Wertschätzung keine Spur.

Für bindungsorientierte Eltern sind solche Beratungen ein Graus. Sie verunsichern nur und sähen Zweifel an ihrem Weg. Braucht mein Kind vielleicht doch härtere Konsequenzen/Strafen? Muss das Kind auf Kommando hören, um später im Leben zurechtzukommen?

Großartiges Angebot für finanzschwache Familien

Bisher gab es keine Angebote für finanziell schwache Familien, die sich eher in Richtung bindungsorientiert/beziehungsorientiert bewegt hatten. Doch das ist jetzt anders! Der liebe Martin hat zusammen mit mehreren FamilienbegleiterInnen eine Anlaufstelle für finanziell schlecht gestellte Familien ins Leben gerufen. Hier arbeiten Familiencoaches Hand in Hand nach Jesper Juul, um Familien von innen heraus zu stärken:

„Wir machen das mit sehr viel Elan und Herz, um Eltern zu helfen, ihren Kindern eine gewaltfreie und gleichwürdige Kindheit bieten zu können.“

Kann eine kostengünstige Beratung gut sein?

Da ich sehr begeistert von diesem Angebot war, habe ich mich entschieden, ein Coaching auszuprobieren. „Was nichts kostet, kann nix wert sein“ heißt es ja oft. Dem Vorurteil wollte ich nachgehen. Außerdem wollte ich euch nichts empfehlen, was ich nicht selbst getestet habe.

Ich habe also ganz unverbindlich eine Anfrage für ein Online-Coaching via Videochat gestellt. Und siehe da, nach wenigen Stunden kam eine Antwort. In meiner Anfrage hatte ich kurz unsere Situation umrissen: Gefühlsstarkes Kind, häufige Wutanfälle, aktuelle Überforderung durch Umzug, Baby, Schulwechsel…

Ich habe mir schon vorab überlegt, welchen Punkt wir gezielt beim Gespräch ansprechen möchten. Das liegt aber auch daran, dass ich ja bereits Erfahrungen mit Coachings habe und demnach „weiß, was ich will“. Es ist auch möglich eine Anfrage ohne konkrete Schilderungen loszuschicken.

Folgende Basis-Themen könnt ihr via Klick auswählen:

  • Kindererziehung
  • Paarproblem
  • Trennung/Scheidung
  • Patchwork-Situation
  • Schule und Kindergarten
  • Pubertät
  • Sexualität
  • Sonstiges

Ein unschlagbares Angebot!

So kann vorab der für euch passende Coach zugeteilt werden. Weiterhin kann ausgewählt werden, ob das Coaching via Video-Chat oder Telefon, an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit stattfinden soll. Auch die Abendstunden (kinderfrei) sind kein Problem. Ich habe mich für die frühen Abendstunden entschieden, damit ich vorher Marie ins Bett bringen kann.

Wichtig: Jetzt gilt es nur noch den preislichen Rahmen festzulegen. Der Berater bekommt immer 70 Euro für eine 60-minütige Beratung. Allerdings könnt ihr auswählen, wie viel Geld ihr erübrigen könnt. Der Mindestbetrag liegt bei 20 Euro. Das ist für ein Coaching ein echt günstiges Angebot! Die über 20 Familiencoaches werden über eine Förderkasse finanziert. Und diese lebt von den einkommensstarken Familien!

Denn es ist jederzeit möglich mehr als 70 Euro je Beratung zu bezahlen. Somit können Gutverdiener die Geringerverdiener unterstützen. Ein toller Gedanke! Ich frage mich, wie oft das auch tatsächlich vorkommt.

„Damit dieses Modell funktioniert sind wir angewiesen auf Eltern, die bereit sind, auch mehr zu bezahlen. Denn damit füttern wir die Unterstützungskasse für finanzschwache Eltern“

Wie die Online-Beratung abläuft

Zurück zur Beratung. Nachdem mir eine Beraterin zugeordnet wurde, haben wir die Zeit vereinbart und uns via Zoom verabredet. Wir haben uns direkt auf das sympathische „Du“ geeinigt und ich habe erzählt… Von unserer Großen, ihren Herausforderungen und unseren Problemen damit. Diese ständigen Emotionen, unsere Genervtheit mittlerweile, weil es einfach zu viel ist und scheinbar einfach nicht besser wird.

Wut, Frustration, Ärger, wo wir hinsehen… Kurz und knapp: Viele Gefühle bei ihr, kurzer Geduldsfaden bei uns. Um es zu veranschaulichen, habe ich von dem 1,5-stündigen Wutanfall erzählt, den ich stoisch begleitet hatte.

Der 1,5 Stunden Wutanfall

Claire wollte gern Steine von einem Spaziergang mitnehmen. Ich hatte ihr einen Rahmen gegeben, indem ich ihr zugestanden hatte 2 Steine mit nach Hause zu nehmen, wir haben es auf 3 hochgehandelt. Auf halbem Rückweg möchte sie dann doch alle Steine mitnehmen (Auslöser war eine vorherige Reibung mit ihrem Papa). Es kam zum Wutanfall, der insgesamt über 1,5 Stunden andauern sollte: ich…

  • habe ihre Gefühle gespiegelt
  • habe mich und andere geschützt
  • habe sie selbst geschützt (vor Verletzungen, Gefahr der Straße etc.)
  • war immer in ihrer Nähe, um zu zeigen für sie da zu sein, wenn sie mich braucht
  • bot immer wieder an, sie in den Arm zu nehme
  • blieb klar bei meiner Haltung: „Ich verstehe, dass du das gern möchtest. Die Steine kannst du dennoch nicht mitnehmen“
  • habe sie einfach durch ihre Wut begleitet. Gefühle zulassen und zeigen ist ok, aber sie müssen gesteuert werden, um keinen Schaden anzurichten.

Ausführlicher findet ihr die Geschichte bei Instagram:

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Das bin ich – ungeschminkt, unfrisiert und entspannt. Die Ruhe vor dem Sturm. Wir haben heute einen geteilten #Familienausflug gemacht. Das heißt, mein Mann war mit Claire zu einer großen Radtour unterwegs und ich habe mir Marie und Valerie für einen #Spaziergang geschnappt. Durch Zufall sind wir uns dann aber doch nach einer Stunde am #Rhein begegnet 🤣😍 Die Sonne und Bewegung taten mir sehr gut. Ich habe mich wunderbar entspannt und leicht gefühlt. So leicht, wie schon lange nicht mehr. Leider war das von kurzer Dauer… Auf dem Rückweg wollte Claire gern kiloweise Steine mitnehmen. Ich habe ihr gesagt, sie kann gern zwei Stück aussuchen. Es wurden dann drei. Mitten auf den Rückweg gab es dann aber einen unkontrollierten #Gefühlsausbruch… Sie wollte gern einen anderen Stein mitnehmen und nochmal zurück fahren. Das haben wir nicht erlaubt. Wir waren müde und hungrig und die Abmachung war anders. Dass sie die Entscheidung im Nachhinein bereut ist schade, aber manchmal ist es leider so… Bamm!!! Kompletter Ausbruch. Ich habe meinen Mann mit den anderen Kindern vorgeschickt. Das kann dauern… Und so war es auch. 30 Minuten lang habe ich sie begleitet in ihrer Wut. Bin ihr nachgerannt, als sie nochmal ans Wasser wollte. Habe mich zu ihr in den Dreck gesetzt.Kreisch-weinend hat die denn Stein verlangt. Habe ihre Tränen, Tritte und Bisse ausgehalten. Stoisch und immer Mal wieder wiederholend, dass ich sie verstehe, wir aber nicht zum Rhein zurückgehen werden. Irgendwann ließ sie sich auf den Arm nehmen und heim tragen. Das hat gut 15 min gedauert, da ich pausieren musste… Natürlich schrie und weinte sie weiter nach dem Stein! Auf einem Arm das Kind, auf den andern das Fahrrad bin ich richtig froh gewesen, dass sie ein #woom Bike hat. Das ist echt federleicht. Zu Hause angekommen gab es das nächste Drama: sie wollte unbedingt die erste Pizza fertig machen, aber Marie war ja schon zu Haus und daher schneller… Weitere 45 min, Schläge und Dinge werfend später hatte sie sich endlich beruhigt und ihre Pizza fertig gemacht. Uff! Ich war die ganze Zeit ruhig. Für sie da, aber dennoch klar und habe Tritte etc. abgewehrt und klar gesagt, dass ich das nicht will…

Ein Beitrag geteilt von Yasmin Neese (@dierabenmutti) am

Was hinter dem Wutanfall steht

Ich habe dabei hinter die Fassade geblickt und gesehen, dass das Problem nicht eigentlich die Steine an sich sind. Es ist der Kontrollverlust. Mit den Steinen wollte sie etwas dieser Kontrolle zurückerlangen. Sie wollte bestimmen, was sie damit tun kann. Und das habe ich ihr genommen. Dieser Wutusbruch hat all die Frustration darüber geeinigt, die sie in den letzten Monaten durchlebt hatte: ein neues Geschwisterchen, der Umzug, der bevorstehende Schulwechsel…

Diese Themen nagen sehr an ihr. Schon bei Marie fand eine heftige Entthronungsphase statt. Zusammen mit dem Umzug und der damit zusammenhängenden Entwurzelung, gerät sie ins Taumeln und versucht eben mit allen Mitteln und Möglichkeiten die Kontrolle wiederzuerlangen.

Zustimmung der Beraterin

Unsere Beraterin (mein Mann war auch dabei), konnte nach meinen Ausführungen nur zustimmen. Der Blick auf das Kind ist definitiv vorhanden. Wir haben alles berücksichtigt, was es zu berücksichten gibt und auch die Begleitung der Wut in der Situation selbst war gut. Sie hatte tatsächlich keinen weiteren Rat für diese Situation.

Das war jetzt nicht besonders überraschend für mich. So viele bindungsorientierte Literatur, die ich in den letzten Jahren gelesen habe… Das hat halt „Spuren“ hinterlassen.

Setz die Grenze in deinem Vorgarten!

Die Begleitung war also nicht optimierbar, das haben wir schnell herausgefunden. Was aber dann? Ich habe mich danach so ausgelaucht gefühlt. Den nächsten Wutanfall hätte ich warscheinlich nicht begleitet, sondern hätte einfach nur zurückgebrüllt. Und DAS ist der springende Punkt.

Ich kann vielleicht ein, zwei Anfälle über den Tag begleiten, aber dann sind die Batterien leer. Und dann gehe ich in den Vertidigungsmodus, denn sie hat meine Grenzen überschritten. Meine Energie-Grenzen. Und das ist der Anknüpfungspunkt.

„Du musst deine persönlichen Grenzen ziehen. Nicht erst, wenn sie schon in deinem Wohnzimmer steht und herumtrampelt, sondern schon am Gartenzaun“

Meine Grenzen und ich

Tja nun. Da steh ich hier, ich armer Thor… Dieses Problem ist ja altbekannt. Meine Grenzen und ich. Denn ich weiß nicht, wie ich diese Grenzen abstecken kann. Ich weiß nicht, wie ich es schaffe, klar zu machen, dass sie in meinem Vorgarten stehen bleiben soll, ohne Gewalt anzuwenden.

Seien es Drohungen (Hör auf, sonst geht´s in dein Zimmer!), oder der Anwendung von Strafen (Wenn du das noch einmal machst, dann sack ich dein Handy ein) oder gar indem ich sie gegen ihren Willen aus dem Zimmer trage (was vorkommt, wenn sie zu viel tobt und mich oder ihre Geschwister damit in Gefahr bringt).

Bedürfnisorientiert? Nicht mit mir

Auf diesem Geheimnis reiten wir nun schon ein paar Jahre herum. Eine Lösung ist leider noch nicht in Sicht. Womöglich ist das der Grund, warum ich niemals wirklich eine bedürfnisorientierte Mutter sein kann – ich verstehe nicht, wie ich meine Grenzen setzen und damit meine Bedürfnisse wahren soll – zumindest ohne laut und gemein zu werden.

Und da eine bedürfnisorientierte Lebensweise nunmal alle Bedürfnisse umfasst – nicht nur nie der Kinder – ist das mein Lebensziel, was ich wohl einfach nie erreichen kann…

Ein kleiner Impuls

Dennoch hat unsere Beraterin gesehen, dass ich wohl einen besonderen Draht zu Claire habe. Sie empfahl mir daher „Leitwölfe sein“ und den Essay „Die intuitive Verbindung“ von Jesper Juul (ich habe zwar noch einige Bücher auf dem SUB, aber was muss, das muss). Eine weitere Erkenntnis war, dass meine Inkonsequenz gar kein Problem ist, da ich konsistent bin 😉

Und sonst? Sie hat uns bestärkt, dass wir schon sehr viel richtig machen und auf einem sehr guten Weg sind. Wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber dennoch haben wir das gleiche Ziel: Eine harmonische, glückliche Familie. Zum Glück sind wir als Paar in den letzen Jahren so sehr gemeinsam gewachsen, dass wir da an einem Strang ziehen.

Was das Gespräch gebracht hat

Zwar konnte uns das Beratungsgespräch nicht sehr viele neue Weisheiten bringen, dafür aber dennoch den ein oder anderen Impuls. Viel wichtiger ist jedoch, dass mich die Beraterin überzeugt hat, dass sie eine absolut auf die Bedürfnisse des Kindes gerichtete Beratung anbietet.

Hier wird das Kind auf Augenhöhe gesehen, Bedürfnisse werden respektiert, die Kinder erfahren große Wertschätzung.

Ein rundum kindgerechter Blick

Und das ist eine wunderbare Basis, um Familien eine bindungs-/bedürfnisorientierte Beratung zu geben. Dabei werden natürlich die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigt.

Der Unterschied zu manch anderen Beratungsstellen ist aber, dass die Bedürfnisse der Kinder nicht weniger wiegen, nur, weil es Kinder sind. Alles wiegt gleich schwer.

Wie oft heißt es denn „es ist ja nur ein zerbrochener Keks“. Die Probleme der Kinder werden oft kleingeredet, da sie ja nicht an die Probleme mit der „Erwachsenenwelt“ hereinreichen. Und das ist schade, denn Kinder fühlen es anders. Und das wissen die Berater bei Online-Familiencoach.de.

Hilfe suchen ist STARK!

Ich mag den warmen Blick der Beraterin auf Kinder und ihre Bedürfnisse. Aber fand es auch gut, dass sie mir nochmal vor Augen geführt hat, dass ich meine Grenzen besser wahren muss. Darum möchte ich euch wirklich wärmstens ans Herz legen: Habt ihr Probleme im Umgang mit euren Kindern? Kracht es seit Corona öfter in der Familie? Vielleicht hängt auch der Haussegen mit dem Partner schief? Dann holt euch Hilfe!

Es ist keine Schande Hilfe zu holen. Sei es ein Coaching, ein Berater oder was anderes. Ihr seid stark, wenn ihr euch eingesteht, dass ihr nicht mehr allein weiter wisst.

Falsch wäre, es zu versuchen allein zu schaffen und dabei in alte, vielleicht sogar gewalttätige Muster zurückzufallen. Die Kinder nicht angemessen zu behandeln und aus Verzweiflung und Wut zu Konsequenzen/Strafen, Drohungen und Schlimmeren zurückzugreifen.

Nobody is perfect

Es ist menschlich Fehler zu machen. Keine Frage. Niemand ist perfekt. Niemand kann alles richtig machen. Niemand kann immer gelassen sein. Ist immer ruhig und bedacht. Selbstverständlich! Wir sind Menschen, keine Roboter. Wenn sich das Schreien, das Ärgern, der Frust aber anhäuft, dann wird es Zeit, was zu tun.

Seid stark! Für euch und eure Familie. Macht euch keine Sorgen um die Kosten. Das Team um Martin herum ist günstig, aber gut! Und wenn der Geldbeutel nicht eng sitzt: Unterstützt dieses super Angebot! Bitte! Ihr könnt so vielen Familien damit helfen und Hoffnung schenken.

Screenshot: Online-Familiencoach.de (Abrufdatum: 03. Juli 2020)