Warum wir den Valentinstag brauchen

Alle Jahre wieder schießen die Verkaufszahlen an Valentinstag der Blumenhändler in die Höhe. In den letzten Jahren profitieren vor allem Online-Händler davon, da man die Sträuße bequem von der Couch aus bestellen kann. Und, wenn es keine Blumen sind, dann wird die Herzdame eben zum schicken Essen ausgeführt, oder bekommt gar beides. Grund genug für die Valentinstagsmuffel Alarm zu schlagen und sich so richtig über den Valentinstag auszukotzen. Aber ist der Tag wirklich so schlimm?

Valentinstag Romantik-Kitsch-Blogparade

Bild: Nicole Störmann (my-lifestyle-blog.com)

Auf dem läuft aktuell eine Blogparade zum Thema: Valentinstag – Romantik oder Kitsch. Ich bin der Meinung, dass das die falsche Frage ist. Meiner Meinung nach sollte es heißen: „Warum brauchen wir den Valentinstag?“ Man könnte nämlich ebenso darüber spekulieren, warum man eigentlich Weihnachten braucht. Das hat ja auch was kitschig-romantisches. Aber letztlich ist ja auch das nur ein Kommerztag, über den sich die Händler und Baumverkäufer nen Ast freuen.

Die Gesellschaft braucht den Valentinstag

Dennoch ist weder Weihnachten noch Valentinstag nicht wegzudenken? Warum? Weil unsere Gesellschaft zu schnelllebig geworden ist. Es geht nur noch ums GoGoGo: Schnell erwachsen werden, schnell Geld machen, schnell zur Karriere. Die Menschen hetzen nur noch, kommen nicht zur Ruhe und haben die Karriere und Co. im Blick. Das Zwischenmenschliche ist oft vergessen. Die Unternehmen sehen ihre Mitarbeiter nur als Geldmaschine. Menschlichkeit zählt nicht mehr. Und die Menschen haben Angst um ihren Job und beugen sich diesem Druck, kommen ihm nach. Sie geben Gas, sind abends KO und wollen einfach nur noch ihre Ruhe.

Die Liebsten vergessen sie oft, oder können ihnen einfach nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie ihnen gern schenken möchten. Ausgepowert nimmt man sich vor, dann doch vielleicht mal einen Familientag einzulegen, oder mit der Liebsten Essen zu gehen. Allerdings kommen weitere Termine dazu, Meeting und und und. Der Tag X rückt immer wieder in weite Ferne. Wem kann man es auch verdenken? Der Leistungsdruck fängt ja mittlerweile schon in der Grundschule an!

Schon Kleinkinder werden auf Leistung gedrillt

Kann das Kind im Grundschulalter dies nicht, oder das nicht, wird direkt von Nachhilfe und Therapie gesprochen. Ein eigenes Tempo gibt es nicht mehr, die Kinder müssen Schritt halten oder bleiben auf der Strecke. Schon früh gibt es Förderungskurse, die Kinder müssen immer mehr lernen. Wenn ich meine Kindheit und Schulzeit mit der meiner Geschwister betrachte, stellen sich mir dir Haare zu Berge. Wie wird das erst mit meiner Tochter?

Immerhin wurde so manch Fehler erkannt und die Politik rudert mit dem verkürzten Abitur zurück, aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Die Kinder werden von Anfang an gedrillt zu den Besten gehören zu müssen. Sich abheben zu müssen, so sehr, dass man scho fast vergisst, dass einen Menschen nicht seine Leistung, sondern seine Menschlichkeit ausmachen. Leider lässt unser System aber keine Gegenschwimmer zu, denn diese werden zermalmt.

Manchmal braucht der Mensch eine Zwangspause

Und genau deswegen brauchen wir Tage wie Weihnachten oder Valentinstag. Diese Tage zwingen uns, inne zu halten. Gedanken über den Liebsten zu machen. Zur Ruhe zu kommen. Diese Tage, egal, ob sie kommerziell sind oder nicht, können Familien stärken und ihnen Halt geben. Hier steht nicht das Schenken im Vordergrund, sondern die Gedanken, wie wir unsere Liebsten glücklich machen können. Und, wenn es ein Strauss roter Rosen ist, so what? Wenn es ein romantisches Dinner ist, immer her damit. Gerade Eltern freuen sich über die Babypause, wenn sie einfach Zweisamkeit genießen können.

Natürlich sollte man nicht aufhören danach zu streben auch unabhängig bestimmter Tage an den Schatz zu denken, ihm kleine Aufmerksamkeiten und vor allen Zeit und Nähe zuteil kommen zu lassen. Aber mal ehrlich: Wer von uns schafft es, das Pensum zu geben, was der Partner wirklich verdienst hätte? Ich schaffe es leider nicht.

Heute, am Valentinstag habe ich beschlossen meinen Schatz zu verwöhnen. Ich werde ihm am Abend Kaninchen, ummantelt mit Parmaschinken kochen, dazu gibt es Risotto mit einer Granatapfelsauce. Zum Nachtisch lecker Cheesecake aus dem Glas. Und dann begießen wir den Tag mit einem schönen Glas Sekt auf der Couch und hoffen auf einen ruhigen Abend zu zweit. Natürlich koche ich auch anderen Tagen für ihn (und zwar sehr gerne!), aber wirklich mal einen Abend nur für uns, das haben wir selten. Allein, weil der Blog oder meine Homeofficetätigkeit viel Zeit klauen.

Von | 2016-10-20T11:59:18+00:00 Februar 14, 2015|Kategorien: Dies & Das, Mutterleiden|Tags: , |13 Kommentare

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13 Kommentare auf "Warum wir den Valentinstag brauchen"

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Claudia
Gast

Hmm, ein Stück weit kann ich das nachvollziehen, aber es ist schon traurig, dass man es nicht so schafft, sich einen solchen Tag zu nehmen. Eine Beziehung, die so auf den Valentinstag angewiesen ist, hätte ich längst beendet. Allerdings wär ein Valentinstagsfan aich nicht das passende Gegenstück für mich 😉

TanjasBunteWelt
Gast
Hallo Yasmin, sehr schön geschrieben. Ja die Gesellschaft oder allgemein die Zeit verlangt uns immer unsere Höchsleistungen ab und Ruhe ist ein Fremdwort. Oft übersieht man dann das Wichtigste das man ständig vor Augen hat. Die Aufmerksamkeit die ein geliebter Mensch verdient hat, würde man nie aufbringen können, außer man hat keine Verpflichtungen und kann in den Tag hinein leben (wenn dann auch meistens ohne Essen & Co da kein Geld da ist). Kleine Aufmerksamkeiten, egal ob kochen, mal ein Blümchen mit nehmen oder ins Kino gehen, sind wirklich sehr wichtig und kostbar. Immer „feiern“ wir diesen Tag nicht, oft… Read more »
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MEIN FAZIT ZUR BLOGPARADE: "VALENTINSTAG"

[…] von dem Blog “Die Rabenmutti” hat geschrieben warum wir alle den Valentinstag brauchen. In der jetzigen etwas hektischen Zeit […]

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[…] Die Gesellschaft geht am Leistungsdruck zu Grunde. Kinder müssen sich schon sehr früh stellen und verlieren Stück für Stück ihre Kindheit, weil nur noch die Leistung zählt. Das ist die falsche Richtung. Wissen mag wichtig sein, aber […]

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