Freitagsgedanke: „Kinder sind stressig“ oder „Wir werden alt“

Eltern müssen ihre Kinder non-stop lieb haben und dürfen keine Schwächen zeigen, so zumindest die Theorie unserer Gesellschaft. Da ich mich schon als Rabenmutti geoutet habe, umgehe ich dies und sage: Kinder sind stressig!

Mit der Geburt wurde alles stressiger

stressiges kind

Foto: pixabay.com

Gemerkt habe ich es eigentlich schon, seit sie da ist. Das Leben hat sich schlagartig geändert, keine ruhige Minute konnte ich anfangs auskosten, denn überall musste Claire mit. Sie war sehr nähebedürftig. Mittlerweile hat es sich ausgezahlt, dass ich ihr diese gegeben habe, denn sie ist sehr selbstständig geworden – sie hat das Urvertrauen zu mir gefasst und wagt sich auch alleine alles zu erkunden. Spielt allein, kann sich beschäftigen. Dennoch ist der Stress noch da, nur anders. Jetzt kommen die Trotzanfälle dazu, Schreiattacken, auf den Boden fallen lassen, wild mit den Händen um sich schlagen. Das ist auch stressig und man braucht eine Mordsgeduld, die ich nicht immer aufbringen kann. Manchmal wird es mir zu viel. Dann schreie ich. Lasse sie bei meinem Mann und gehe aus dem Zimmer. Versuche Claire auszublenden. Dieser Dauerstress tut uns nicht gut. Darum hatten wir auch entschieden, etwas für uns zu tun. Wir wollten entspannen. Allein, ohne Claire. Also ging es in das Hotel Ziegelruh.

Wellnessurlaub zeigt Stressfaktor auf

Die Grundidee war super: Ein Wellnesshotel, damit wir die Zeit auch mal wieder als Paar genießen konnten. Uns wirklich nur auf uns konzentrieren. Ausspannen, ausschlafen, ohne den Gedanken im Hinterkopf zu haben, dass Claire gleich wach wird oder, dass wir leise sein müssen. Einfach Mann und Frau sein. Das Elternsein hinter uns lassen, schwärmen, lieben, Spaß haben. So die Idee…

Leider kam es doch ganz anders. Einmal Eltern, immer Eltern. Es verfolgt einen. Es ist nicht, dass wir pausenlos an Claire denken mussten und wie es ihr geht. Wir wussten, ihr geht es hervorragend 🙂 Nein… Der Stress hing uns hinterher. Und als wir dann allein waren im Hotel, wurde auf einen Schlag klar, wie fertig wir eigentlich waren. Nach der Ankunft hatten wir eine Partnermassage, gingen Abendessen und in die Sauna. Ein besinnlicher, ruhiger Abend. Auf dem Zimmer gibt es Sekt, Champagner und Schokolade. Was könnte sich also besser anbieten als… um 22 Uhr ins Bett zu gehen?!? Wir waren so K.O., dass wir beide einfach weggeschlafen sind. Nichts mit romantisch Kuscheln, den Kerzenschein genießen, oder unseren Gelüsten nachgehen. Nein. Wir haben geschlafen. Nachts war ich zu Claires Fütterungszeiten wach und bin wieder in den Schlaf gefallen. Morgens konnte ich nicht lange schlafen…

Ich fühle mich unglaublich alt und erschöpft

Am folgenden Tag ging es aber nicht etwa besser, weil wir ja – immerhin erholsamen -Schlaf erhalten hatten. Wir hatten uns nach ein wenig Wellness in den Ruheraum begeben, um kurz zu entspannen. Und sind schon wieder eingeschlafen! Einfach so, waren wir für eine Stunde weggenickt. Nach einem längeren Aufenthalt im Whirlpool, Abendessen und einer kleinen Saunarunde hätten wir nach dem Mittagsschlaf eigentlich fit sein müssen. Eigentlich. Mein Mann fiel um 21 Uhr in einen tiefen Schlaf, ich habe mich mit einem Buch ins Bett gekuschelt und bin kurz darauf auch eingeschlafen. So sollte es im romantischen Wellnesshotel eigentlich nicht zugehen. Wo war die Sache mit dem Eheleben? Wo war der Sex? Nicht, dass wir gar keinen gehabt hätten. Unsere alten Glanzzeiten, vor dem Baby, haben wir aber bei Weitem unterboten. So viel Stress, dass nichtmal eine Auszeit hilft. Woran liegt das? Sind wir wirklich schon so alt? Seit ich ein Kind habe, bekomme ich graue Strähnen, bin ständig müde und habe das Gefühl schwachsinnig zu werden. Ja wirklich, meine Arbeitsleistung war wirklich schon sehr viel besser. Da bin ich doch sehr unzufrieden mit mir. Die Kreativität bleibt aus, beim Umsetzen meiner Projekte unterlaufen mir stetig Fehler… Kann es sein, dass ich durch das Kind um 10 Jahre gealtert bin? Lassen uns unsere Kinder wirklich in Blitzgeschwindigkeit altern, oder fiel es mir vorher nur einfach nicht auf? Und das frage ich mich, mit 26 Jahren, gefühlte 60 😉 Wer bin ich? Wo ist die Powerfrau von vor 2 Jahren hin?

Ein stressiges Kind zehrt an der Notreserve

Wieder zu Hause blicke ich wehmütig auf die Zeit vor dem Mutterdasein zurück. Es war alles so viel leichter, stressfreier und erholsamer. Mit Kind stehe ich ständig auf Strom. Immer Abrufbereit. Wie lange kann das wohl noch gut gehen? Bitte nicht falsch verstehen – ich liebe mein Kind. Aber sie ist nunmal der pure Stress… (Still, I Love her <3 )

Von |2016-10-20T11:59:47+00:00Oktober 10, 2014|Kategorien: Dies & Das, Muttergefühle|Tags: , , |6 Kommentare

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Sina
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Hm…grundsätzlich stimme ich dir zu, nur was hat das das 10 Jahre älter fühlen mit Kreativität zu tun? Wir alle die älter sind wie du, wären dann nicht mehr kreativ weil wir keine 26 mehr sind? Also ich bin eh weiiiiiiit über 26, und kreativ war ich noch nie, aber ich glaube nicht dass das eine mit dem anderen was zu tun hat. Ansonsten: Meine SChwiegermutter hat immer zu mir gesagt, wenn die Kinder mich gestresst haben, und ich habe ja zwei die nur ein Jahr auseinander sind: Es wird eh wieder anders. Sie hat nie dazu gesagt, es wird… Read more »

DieOmma
Gast
DieOmma

Tja, meine Liebe. Da mussten wir Muttis alle durch. Und, äh, nein, es hört nicht auf wenn sie groß und ausgeflogen sind 😉 Es wird nur … anders 😀 Aber schön dass du nun so langsam begreifst warum ich nach all den Jahren nur noch meine Ruhe haben will (die ich eh nie bekomme 😛 ), antriebslos, lustlos, ständig müde und ausgelaugt bin. 1 Kind: Kleinigkeit. 2 Kinder: naja, alles doppelt halt. 5 Kinder: Man wird so ziemlich immun in Sachen „Glucke“ und nutzt verzweifelt jede Gelegenheit mal für sich zu sein (bei mir ist das die Zeit in der… Read more »

Anna
Gast
Anna

Dein Post berührt mich. Ich bin genau in der selben Situation und mich plagen schreckliche Schuldgefühle, die ich auch zum Teil von anderen reingedrückt bekomme. Die letzten Wochen waren grausam, weil ich nur noch müde, gestresst und genervt war. Ich frage mich immer, wie andere Mütter das schaffen, ohne auch nur einmal am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu sein. Mein Kleiner ist jetzt für eine Woche bei seiner Oma. Ich hab erstmal geschlafen… und geschlafen. Aber Abschalten ist gar nicht so leicht. Ich denke ständig ich höre ihn und mache mir Gedanken darüber, was ich besser machen könnte. Es tut gut… Read more »

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