Stillen bis ins Grundschulalter? Von Lust und Liebe

Ekel vor Langzeitstillen?

Heute kommt Gastautorin Pia zu Wort, die über Langzeitstillen sprechen möchte. Da ich nun über den 6. Monat hinaus voll stille und nicht in absehbarer Zeit aufhören möchte (trotz Schmerzen, die solang nicht behandelt werden können), gehöre ich jetzt wohl auch ins das Bild der „Langzeitstiller“. Finger hoch – wer hätte das von mir erwartet? Naja. Ich auch nicht…

Wird die Rabenmutti zur Langzeitstillerin?

Noch „absurder“ überraschender ist aber die Tatsache, dass ich mir vorstellen kann länger zu stillen und der Gedanke, dass es eines Tages nicht mehr so ist, mich traurig macht. Einerseits ist es wirklich schön, dass das Stillen nun so viele positive Emotionen weckt, wo ich doch bei meinem ersten Kind stark damit gehadert hatte. Betrüblich ist andererseits aber, dass um das Stillen immer ein regelrechter Wettkampf, ein Stillkrieg ausbricht.

Wer stillt? Wie lange? Wer „vergiftet“ sein Kind mit der Flasche? Ich denke diese Stillkriege werden vor allem von Menschen ausgelöst, die extrem sind. Entweder, weil sie extrem lange Stillen und dann Unverständnis auslösen, oder weil sie das Stillen ganz ablehnen – und widderrum für Unverständnis sorgen.

Bitte nicht prügeln!

Dieses Unverständnis versucht nun unsere Gastautorin in Worte zu fassen. Im Gespräch sind wir auf das Stillen gekommen (vor allem, weil ich noch voll dabei bin). Ich wurde gefragt, wie lang ich noch stillen möchte. So ein Jahr bis anderthalb Jahre, wären wohl machbar, meinte ich. Das nennt man wohl auch Langzeitstillen. Aber um dieses Stillen soll es hierbei gar nicht gehen. Es geht um das (extreme) Langzeitstillen und der Erklärungsversuch, warum einige Menschen so negativ, regelrecht angewiedert darauf reagieren.

Sie erklärt, warum sie selbst einen Ekel empfindet. Ich denke, dass dieser Beitrag die Emotionen hochkochen lassen wird. Demnach möchte ich schon vorab sagen: Fühlt euch nicht angegriffen, macht euer Ding und lasst den Erklärungsversuch einfach sacken. Oder klickt weg. Oder diskutiert sachlich. Beleidigungen werden nicht veröffentlicht – wie immer.

Sex während man stillt? Echt jetzt?

Eigentlich wollte ich nie einen Beitrag über das extreme Langzeitstillen schreiben, denn mich betrifft es nicht, ich mag es nicht, ich will es nicht. Thema erledigt für mich – denn  ich will diejenigen Mütter nicht verurteilen, die das machen. Für mich ist das halt nichts. Eigentlich. Jeder wie er mag. Aber Extreme – die finde ich nie gut. Und dann las ich von einer Mutter, die ihr Kind beim Sex gestillt hat. Bitte was?! Wo ist denn da die Grenze? Gibt es da eine Grenze? Und ist es beim Baby ok, nebendran Sex zu haben und ab wann ist es nicht mehr ok? Kann sie die Erregung überhaupt auseinaderhalten oder verschmilzt das?

Das hat mich schockiert und direkt wieder an die Mutter erinnert,  die ihr 7-jähriges Kind gestillt hat. Sie wurde vom Vater wohl angezeigt – Der Vorwurf: Die Mutter stille aus sexuellem Antrieb heraus. Die Empörung im Netz war natürlich groß. Meine auch. Aber nur, weil ich den Vorwurf irgendwo auch verstehen konnte…

Game of Thrones lässt grüßen

Meine Brüste haben sich erstmal panisch zusammengezogen – für mich ruft diese Information viele negative Gefühle hervor. Game of Thrones Fans wissen, worauf ich hinaus will, wenn ich sage: „Ich sehe dann kleine Halbwüchsige an der Brust der Mutter hängen, die Milch läuft das Kinn herab, aber das Kind ist nicht fähig, sich selbstständig sauber zu machen“. Dieses Bild kommt mir beim Thema Langzeitstillen einfach immer automatisch in den Kopf…  Interessant fand ich die Diskussion und Empörung darum, dass man der Mutter sexuelle Erregung nachsagte. Das sei unerhört. Das gibt es doch nicht! Dieser fiese (setzt hier Schimpfwörter jeglicher Art ein) Mann!

Aber, ich glaube, dass eine sexuelle Motivation tatsächlich vorhanden sein KANN. Dass der Vater nicht per se Unrecht haben muss. Gemeint ist NICHT, dass alle Langzeitmütter es geil finden, wenn das Kind an der Brust saugt. Vielleicht UNbewusst.…

Babys empfinden Stillen als „lustvoll“

 Aber ehe ihr die faulen Eier herausholt, lasst mich mal erklären: In erster Linie ist Stillen natürlich eine Möglichkeit das Kind zu füttern und Nähe zu spenden. Keiner verbindet damit in erster Linie Sex. Aber was ist Sex? Ein Stillen von Bedürfnissen. Stillen ist ebenso ein stillen von Bedürfnissen. Sex ist ein Lustakt. Und auch Stillen ist lustvoll – für das Kind und auch für die Mama (bitte immer noch nicht mit Eiern werfen). Es sind zwei völlig natürliche und sich doch recht ähnliche Vorgänge.

„Am Anfang der Entwicklung steht die Freude des Kindes am Entdecken und Erkunden der Umwelt. Nicht nur das Saugen an der Mutterbrust erleben Säuglinge als lustvoll, sondern auch das Erforschen von Gegenständen mit dem Mund. Lustvoll entdeckt es, wie die Dinge sind, wie sie sich anfühlen, und dass das Baby schon etwas „bewirken“ kann.

Die psychoanalytische Vorstellung, dass die sexuelle Lust der Kern der menschlichen Motivation ist, wird in der modernen Kleinkindforschung durch den Begriff der „Wirkmächtigkeit“ erweitert oder ergänzt. Dornes (2006) versteht darunter „die Funktionslust, das Vergnügen, die Freude oder….die Erregung über die Entdeckung eines Zusammenhanges und das Hervorrufen eines Ereignisses, dessen Urheber man selbst ist“ (S.222).“

Erregung ist nicht gleich geil

Erregung hat nicht gleich was mit „Geilheit“ zu tun. Erregung ist die Antwort des Körpers auf gewisse Vorgänge. Beim Sex wird die Brust durch saugen und knabbern erregt. Manche Frauen kommen allein damit zum Höhepunkt. Auch das Kind erregt die Brust – wenn auch das Kopfkino der Mutter ein ganz anderes ist! Körperlich gesehen reagiert auch hier der Körper auf das Saugen des Babys. Die Brustwarzen richten sich auf, die Milchproduktion wird angeregt. Die Brust befindet sich in einem erregten Zustand. Während des Stillens wird das sogenannte Oxytocin ausgeschüttet.

Das Oxytocin soll dafür sorgen, dass es der Mutter beim Stillen gut geht, dass sie sich glücklich fühlt. Daran ist nichts verwerflich! Doch habe ich im Kopf, dass ein Orgasmus ebenfalls von Oxytocin begleitet wird. Ein Glücklichmacher. Nachdem man sicherlich auch süchtig werden kann ? Wer erlebt nicht gern einen Orgasmus und das tolle Gefühl danach? Ich schon ? Wir halten fest: Baby saugt an der Brust = Frau happy. Mann saugt Frau beim Liebesspiel an der Brust = Frau happy. Stillen, wie auch Sex sind Vorgänge die von Lust, Erregung und Glück begleitet werden. Das ist nicht schlimm, ist ja auch natürlich. Daher sehe ich in der Aussage, Stillen erregt Frauen auch keinerlei Probleme – zunächst.

Nach monatelangem Stillen kam plötzlich sexuelle Erregung

Wenn Stillen tatsächlich ein ähnliches Glücksgefühl hervorrufen kann wie ein Orgasmus, kann ich mir vorstellen, dass Mütter es genießen. So sehr genießen, dass sie auch dabei Lust – sexuell und erotisch – empfinden. Und NEIN – das ist kein Vorwurf! Denn ES GIBT Mütter, die sexuelle Lust empfinden. Die „eine Art“ erotischen Faktor beim Stillen erleben. Durchwühlt man Forenbeiträge, bekennen sich einige dieser Mütter dazu, etwas Ähnliches erlebt zu haben.

Aus weitem Bekanntenkreis habe ich die Aussage vernommen, eine Mutter habe genau deswegen das Stillen abgebrochen hatte: Sie entwickelte nach 1,5 Jahren erotische Gefühle dabei und fand das nicht richtig. Sie hat daraufhin abgestillt.

Es ist also Fakt, dass Stillen eine erotische Komponente haben KANN und in jedem Fall eine Form der Erregung nach sich zieht – sei sie auch rein biologisch. Wo wir wieder dabei wären, dass man unterbewusst erregt wird. Lust, Zärtlichkeit und Erregung – ja sogar Masturbation gehören zum Kleinkindalter dazu. Bis hierhin ist nichts verwerflich. Eine Erregung beim Stillen ist kein Vorwurf, es ist keine Kinderschändung, es ist nichts Ungewöhnliches. Das sollte man für sich vielleicht zuerst akzeptieren.

Frau stillt Partner

Sicher ist die Art der Erregung im Kopf anders, als wir es beim Partner erleben, körperlich ist es aber ziemlich identisch. Für mich persönlich war das nicht denkbar:  Als ich in der Stillzeit Sex mit meinem Mann hatte und erregt war, bekam ich direkt einen Milcheinschuss. Nicht nur, dass es piekst, ich musste auch immer mit Stilleinlagen schnackseln. Sonst hätte ich meterweite Milchbahnen durchs Schlafzimmer geschossen.

Bah! Mein Körper hat einfach reagiert, weil er erregt wurde. Ähnlich, wie er eben durch das Kind erregt wird. Lange nach der Stillzeit konnte ich mich endlich wieder daran gewöhnen, dass mein Mann meine Brüste anfasste. Saugen ist mir teilweise noch immer unangenehm, weil es mich an das Baby erinnert. Damit will ich nur zeigen, dass Stillen und sexuelle Spielereien eben nah beieinander liegen können. Mehr nicht. Bitte versteht mich da nicht falsch.

Erotische Laktation: Stillen als Sexualpraktik

Es gibt Frauen, die den Stillvorgang so erotisch finden, dass sie es mit ihrem Partner machen. Das nennt sich „Erotische Laktation“ und ist eine Sexualpraktik. Hierbei wird der Partner gestillt, beziehungsweise bekommt Milch der Frau. Die erotische Laktation entwickelt sich häufig aus dem Stillen des Kindes heraus… Wenn die Frau bereits abgestillt hat, kann der Milchfluss durch induzierte Laktation erlangt werden.

Wird die Brust ständig stimuliert, kann der Milchfluss einfach weiter erhalten werden. Ganz ohne Baby, nur so zum Spaß. Das Stillen von Kindern kann auch sexuelle Empfindungen hervorrufen, zählt aber erst dann zur erotischen Laktation, wenn man primär wegen der eigenen Lust stillt. Andere Frauen stillen ihren Partner angeblich nur der Nähe wegen… Nunja, das lasse ich jetzt Mal so stehen und denke mir den Rest.

Kritisch könnte man nun hinterfragen, woran man feststellt, ob man stillt, weil das Kind es will oder, ob das Kind es mitmacht, weil die Mutter es (für sich) anbietet. Man darf die Augen nicht davor verschließen, dass es auch Mütter gibt, die es wirklich reizvoll finden – auch beim eigenen Kind. Generell gilt: Es gibt viele Arten diese Lust auszuleben. Wie man das findet und dazu steht, muss jeder selber wissen . Ich komm damit nicht so klar ? Und natürlich sind bei Kindern klare Grenzen zu ziehen.

6 Monate sind nicht 7 Jahre

Den eigenen Mann stillen? Nee, Danke. Ich finde es sogar eklig, wenn man ein 7-jähriges Kind noch stillt. Ich finde es nicht normal. Warum, das erkläre ich euch gern. Ich finde, dass  7 Jahre Stillen einfach zu viel des Guten ist. Meine persönliche Grenze liegt beim Laufalter: Sobald das Kind sich eigenständig an der Milchbar bedienen kann, rollen sich meine Zehnägel hoch, wenn ich dran denke, eine Milchbar-to-go zu sein. So fühlt sich Stillen für mich nämlich an. Was nicht heißt, ich gebe meinem Kind ungern Nähe. Nur eben nicht, wenn es an meiner Brust hängt…

Trotzdem: Wem das gefällt, wer das Glücksgefühl-Oxytocin erlebt, der kann gern weiterstillen. Aber warum bis ultimo (=Vorschulalter)? Ich finde, das passt nicht in die Entwicklung des Kindes. Aber zur Entwicklung von Kindern gibt es ja bekanntlich auch etliche Theorien…

Wessen Bedürfnis wird denn befriedigt?

Mit meinen Aussagen will  ich sicherlich niemanden verletzen, aber ich bin jemand, der zu seinen Gefühlen steht. Mein Gefühl sagt mir: eine Mutter, die ihr Kind mit 7 noch stillt – das kann nicht normal sein. Das fühlt sich falsch an. Sei es eine Mutter, die vielleicht sexuelle Empfindungen beim Stillen hegt, eine stetige Nähe zum Kind sucht oder in anderer Form eine gestörte Beziehung zum Kind hat. Für mich ist diese Form der Nähe in diesem Alter einfach nicht normal. Ich empfinde es als eklig. Tut mir Leid, wenn sich dadurch nun jemand angegriffen fühlt. Ähnlich sieht es auch Dipl.-Pädagogin Vanessa:

„Die Natur hat mit dem Stillen einen genialen Vorgang hervorgebracht. Das Kind wird mit allem versorgt und eine Verbundenheit
zwischen Mama und Baby wird durch´s Stillen erzeugt und verstärkt. eine Win/Win Situation für beide. Aber ab wann wird es ,, komisch“? Ich persönlich sage, dass sobald ein Kind ohne Muttermilch auskommt, die Mutter abstillen kann.
Das ist für einige schmerzhaft, denn dieses enge Gefühl der Verbundenheit ,,verschwindet“. Aber nur Vermeintlich. Wir Menschen können durch Coping (das Verarbeiten und Bewältigen von stressigen Situationen) sehr wohl andere Wege finden, dieses schöne Gefühl der Verbundenheit zu erhalten. Kuscheln und Spielen z.B. . Mütter die Stillen, weil sie denken, dass es gut für ihr Kind sei wissen oftmals nicht was dies für ihr Kind bedeutet.
Es sieht für mich so aus, als ob die Mütter mit ihren Kindern die Rollen getauscht haben. Jetzt brauchen sie eine Bedürfnissbefriedigung, welche durch Stillen eben befriedigt wird. Aber ein erwachsener Menschen sollte sich im Klaren sein dass die eigene Bedürfnissbefriedigung dem eigenen Kind sozial/emotional Schaden kann.“

Sicher will ich nicht sagen, dass jeder, der sein Kind über 6 Monate hinaus stillt, geil drauf ist. QUATSCH! Aber das sind andere Größen. 6 Monate oder 7 Jahre! Die Kinder sind anders entwickelt. Heutzutage sind sie geistig sehr viel weiter als noch vor 100 Jahren! Wir „kämpfen“ mit der Frühpubertät. Mit 6 Monaten oder 1 Jahr ist das Kind noch auf die Mutter angewiesen.

Es braucht die Nähe, die Sicherheit, die Nahrung. Es kann sich kaum ausdrücken, zeigen was es will oder seber Nähe suchen. Mit 7 Jahren ist schon eine große Abnabelung erfolgt. Das Kind geht zur Schule, bestreitet sogar vielleicht schon alleine den Schulweg. Ernährungstechnisch benötigt es schon lange keine Milch mehr, Nähe kann das Kind anders erfahren.

Warum ich das eigentlich eklig finde

Warum werden Kinder mit 6 oder 7 dann noch gestillt? Auf dem einem Arm der Schulranzen, auf dem anderen Mamas Brust? Dieses Bild ruft eindeutig negative Gefühle bei mir hervor. Verwirrung und – ja auch Ekel. Mit 6 oder 7 Jahren haben Kinder schon lange angefangen ihre Sexualität zu entdecken. Ja, es soll sogar Jungs geben, die sich anfangen zu befriedigen und Samenergüsse haben, weil es sich schön anfühlt.

Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren masturbieren schon.

Sie entdecken den eigenen Körper, aber auch den der anderen Kinder. Lassen sich zu zärtlichen Doktorspielchen verleiten. Sie entdecken ihre Sexualität. Und in diesem Alter sind sie dann an der Brust der Mutter? Für mich eindeutig grenzwertig. Warum? Weil ich dieses Bild im Kopf habe: Wenn ich daran denke, dass mein Kind in einem Moment masturbiert und im nächsten lustvoll an meiner Brust saugt, kann ich nur verzweifelt den Kopf schütteln.

Das will ich nicht. Das fühlt sich nicht richtig an. Für mich. Verurteile ich die Mütter, die das machen? Nein. Wie gesagt, es ist hart an der Grenze. ICH habe meine persönlichen Grenzen und dazu stehe ich eben auch. Sind die Kinder im Schulalter, sind sie definitiv zu reif, um an der Brust zu hängen… Für mich persönlich ein No Go. Eklig.

Natürliches Abstillen? Steinzeit Ahoi!

Das Argument, dass das natürliche Abstillen von 2 bis 7 Jahren erfolgt ist evolutionsbedingt für mich nicht so überzeugend. Früher schien es durchaus sinnvoll, länger gestillt zu werden. Nährstoffe und Vorräte waren knapp. Aber heute? Da sind Kinder einfach so viel weiter und reifer. Das gilt natürlich vor allem für die gut entwickelten Länder. Mir ist klar, dass es nicht allen Menschen so gut geht. Dementsprechend halte ich das Argument für veraltet bzw. der westlichen Welt nicht angepasst…

Ähnlich verwirrend finde ich deshalb auch Mütter, die in der Neuzeit noch auf „Amme“ machen und direkt die Nachbarskinder mitstillen. Warum genau machen die das? Nähe zu fremden Kindern? Hoffentlich nicht. Nahrungsknappheit kann es auch nicht sein… Stillen der eigenen Bedürfnisse. Das macht schon mehr Sinn.

Natürlich heißt das nicht, dass alle Mütter damit sexuell erregt werden, weil sie ihr Kind bis ins Schulalter stillen. Aber normal ist es eben auch nicht – für mich. Vielleicht haben sie Angst vor der Abnabelung vom Kind? Vielleicht sind sie es ja, die die Nähe brauchen? Die Bedürfnisse der Kinder scheint mir mit wachsendem Alter eher ein Deckmantel zu sein. Ich glaube vielmehr, es sind die Mütter, die nicht loslassen können.

Sie halten die Bedürfnisse aufrecht und suggerieren dem Kind, das müsse so sein. Vielleicht merken sie es ja nicht einmal. Vielleicht haben sie es selbst noch nicht erkannt. Vielleicht irre ich mich auch. Vielleicht vernebelt mir meine persönliche Abneigung die Sicht.  Vielleicht bin ich ja nicht normal?!

Ich suche Erklärungen – für mich

Jedoch macht es genau diesen Anschein auf mich, wenn ich Mütter sehe, die ihre älteren Kinder stillen. Dem Kind kann man anders Nähe schenken – wie machen es Flaschenmütter? Also was genau macht dieses Langzeitstillen eigentlich aus? Ich verstehe es nicht. Es verwirrt mich, es ekelt mich ab einem gewissen Alter nur an. Es passt nicht zu mir. Und es passt (für mich) nicht zu 7 Jahre alten Kinder.

Es gibt sicher viele richtige Wege und jede Mutter setzt sich einen eigenen Zeitpunkt fest. Aber 7 Jahre, das ist eine extrem lange Zeit. Und ich halte nichts von Extremen. Vielleicht würde es manchen Müttern wirklich helfen sich zu fragen, warum sie noch stillen. Wirklich für das Kind? Oder vielleicht doch ein bisschen für sich? Es würde mich interessieren, wie viele Mütter das schon versucht haben zu reflektieren und wie die Ergebnisse sind…

Vielleicht habt ihr ja Lust auch (anonym) zu melden. Das Langzeitstillen zu erklären? Auch hinsichtlich der Einwände, die ich dagegen habe. Seht ihr keine Gefahr in der Entwicklung des Kindes? Braucht das Kind das wirklich 7 Jahre lang? Vielleicht hilfe eine Diskussion auch, den Ekel davor zu überwinden. Ich weiß es nicht. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und komme doch zu keiner Antwort: Warum stillt man bis ins Grundschulalter?

Liebe Grüße,

Pia

[Anmerkung] Die Meinung der Gastautorin muss nicht die Meinung der Redaktion spiegeln. Generell geben wir aber gern allen Perspektiven (es sei denn sie sind rassistisch) eine Plattform zum Austausch.

Von |2018-02-24T16:28:06+00:00Februar 22, 2018|Kategorien: Dies & Das, Muttergefühle|Tags: , , |5 Kommentare

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Julia
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Julia

Hallo Pia,

ich bin heute über deinen Gastbeitrag gestolpert… Danke für deine offenen und mutigen Worte zu diesem „heißen Eisen“!
Dies ist ein sehr interessantes Thema über das ich auch schon des Öfteren nachgedacht habe… Meine persönliche Meinung zu diesem Thema geht in eigentlich allen Punkten mit deiner konform. Auch ich habe mich schon gefragt ob das extreme Langzeitstillen nicht eher eine Bedürnisbefriedung der Mütter statt tatsächlicher Bedarf/ Wille des Kindes ist… Und deinen Ekel kann ich durchaus nachvollziehen!

Liebe Grüße und weiter so!

Julia

Nancy
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Nancy

Hi, aus persönlicher Erfahrung – habe meine Tochter bis knapp über 2 Jahre gestillt – kann ich folgendes sagen: meine Intension ist zuerst Gesundheit für mein Kind, solange es Milch braucht, wozu eine anders aufgebaute Kuhmilch verwenden wenn die Muttermilch auch das Immunsystem stärkt? Mein Kind hatte bisher zwei Mal Fieber, eine Bindehautentzündung und Windeldermatitis und ist gefühlt immer top fit und gesund. Und bei dem einen Mal als sie gefiebert hat, wollte sie auch nichts zu sich nehmen aber Muttermilch geht da zum Glück immer noch, das ist ein sehr beruhigendes Gefühl wenn man helfen kann! Am Ende …… Read more »

Theresa
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Theresa

Ich habe meinen Sohn 31 Monate lang gestillt. Jawohl, das sind gut 2,5 Jahre. Geplant war das eigentlich nicht – ich dachte, man (bzw. frau :-)) stillt halt so ungefähr ein Jahr lang, davon die ersten 4-6 Monate voll. Dass es dann anders kam, hat mehrere Gründe: – Mein Sohn war ein spätreifer Esser, hat im Beikostalter vieles nicht gemocht und am liebsten Muttermilch getrunken. Zwischendurch hat er eine (für den Brei verwendete) hypoallergene Folgemilch obendrein sehr schlecht vertragen, wochenlang deswegen Durchfall gehabt (bis wir das Problem erkannten und diese künstliche Milch wegließen). – Mein Sohn war sehr, sehr oft… Read more »

Chantal-Marie
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Chantal-Marie

Also ich möchte mein Kind auch so lange stillen, bis er sich von selbst abstillt. Klar kann das Kind auch von wo anders Nahrung herbekommen, aber wieso sollte ich nicht darauf achten, was er für Bedürfnisse hat? Es geht auch um das Immunsystem und darum, dass jedes Kind eine andere Entwicklung hat und das eine Kind die Milch mit 2 nicht mehr braucht und das andere Kind eben mit 4. Es ist überhaupt nichts sexuelles. Ein Kind denkt nicht so. Natürlich lernen sie ihren eigenen Körper kennen, aber das hat rein gar nichts mit dem Stillen zu tun. Ich will… Read more »

Hasenmutti
Gast
Hasenmutti

Danke, danke, danke… endlich, endlich, endlich … schreibt mal jemand über all das, was ich schon lange genauso denke. Meine Kinder sind schon groß – aber ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen und beschäftige mich daher intensiv mit (früh-) kindlicher Entwicklung, Entwicklungspsychologie und den verschiedensten Erziehungstheorien. Besonders mit denen, die gerade „hip“ sind. Denn es hilft mir zu verstehen, warum Kinder so sind, wie sie heute sind. Aber ich schweife ab… . Stillen ist etwas natürliches – ohne Frage. Aber wenn eine Mutter mir wirklich weiß machen will, dass sie lange nach Beginn der „Beikost“ stillt, noch immer dann, wenn… Read more »