Meine Mutter & ihr kaltes Herz: „Deine Kinder wirst du auch schlagen!“

Kinder schlagen ist niemals in Ordnung

Kurz nachdem ich mein Herz bei BeziehungsweiseLiebe und ihrer Aktion #aktivgegenGewalt ausgeschüttet habe, erreichte mich dieser Gastbeitrag von Poppy. Sie berichtet von ihrer Erzeugerin (ich weigere mich einem so furchtbaren Menschen den Titel Mutter zu verleihen) und ihrer brutalen Kindheit.

[Anmerkung] Der Text ist wirklich fies. Zarte Gemüter sollten Abstand davon nehmen ihn zu lesen.

„Warte ab, wenn du mal Kinder hast, dann wirst du sie auch schlagen. Das geht gar nicht anders.“

Hammer, Hand oder Schuh? Das war ihr egal

So und anders kam es schon oft aus ihrem verfaulten Mund. Nein. Nein ich werde meine Kinder nicht schlagen. Warum auch? Ich sehe keine Gründe dafür. Ich schlage meinen Mann nicht, meine Katze oder sonst wen in meinem Umfeld. Warum dann meine Kinder?

Ich wollte auch nie geschlagen werden. Warum sollte ich dann so etwas meinem eigenen Kind antun? Nur weil das herzlose Monster, namens Mutter, es bei mir tat? Nein. Und nochmal nein.

Jedes Mal, wenn sie mich schlug, dann merkte ich, wie voller Hass diese Frau war, wie sehr sie mein Vertrauen ihr gegenüber zerbrechen lies. Es war egal, ob sie dabei ihre Hand, Faust, Schuh, Besen oder den Hammer nahm. Der Schlag unterscheidete sich nur an Hand des Schmerzes. Aber ein Schlag, bleibt ein Schlag, den sie natürlich auch verbal verteilte.

In meiner Erinnerung haben sich verschiedene Szenen verankert. Förmlich in meine Seele gefressen…

Keiner traute sich zu helfen

Verbal klafft eine große Wunde in meinem Inneren. Ich werde immer daran erinnert, wenn ich in ihrem Garten stehe. Es war ein sommerlich warmer Tag. Meine Füßchen wühlten sich in den weichen Rasen und ich war voller Vorfreude auf den spannenden Tag. Eine Frage, brach jedoch die ganze Stimmung in mir: „Darf ich zu A? Wir wollen eine Runde mit dem Rad drehen.“

„Nein! Du wirst deinen faulen Hintern hier im Garten schwingen und Unkraut jäten!“ Alle Diskussionen haben nichts genützt. Selbst freundliche Argumente. Die Frau wurde immer wütender und beendete die Konversation schreiend mit folgendem Satz: „Ich wünschte, ich hätte dich auf dem Kompost geboren!!!“

Wie schön, dass dies alle in der Nachbarschaft hörten und niemand auch nur wagte, sich hier einzumischen.

Ein ungeliebtes Wunschkind

Ein Kind, egal welchen Alters, möchte niemals in ihrem Leben so etwas (oder ähnliches) von ihren Eltern hören. Es bestärkte mich als Jugendliche, niemals von dieser Frau auch nur einen Hauch liebe bekommen zu haben. Es bestärkte mich in der Annahme, niemals gewollt gewesen zu sein. Auch wenn es immer hieß „Du warst ein Wunschkind. Drei Jahre mussten wir warten.“.

WoW, was für ein Wunsch muss es doch gewesen sein, dieses Kind niemals in den Arm zu nehmen. Diesem Kind, niemals ein Lob auszusprechen, geschweige denn, ihm zu zeigen, dass man es lieb hat.

Mein Freund sah alles mit an – ich schämte mich

Mit 15 hatte ich meinen ersten Freund. Man war ich verliebt. Ich merkte (außer bei Omi und Opi) das erste Mal, was es hieß, geliebt zu werden. Dieser Junge brauchte mich. Ich brauchte ihn. Er hörte meine Sorgen, nahm mich in den Arm, beschützte mich und gab mir all das, was ich benötigte, um zu atmen. Meine Mutter mochte ihn. Bezeichnete ihn als den Sohn, den sie niemals bekam.

Sie umarmte ihn, gab ihm alles was er brauchte und wollte. Er durfte sogar bei uns einziehen. Er musste nichts im Haushalt machen (dafür gabs ja den Sklaven – mich!-), er konnte kommen und gehen wann er wollte, er bekam sogar Taschengeld.

Deine Mama ist doch nett!

Ich war nicht neidisch. Weil ich wusste, er gab mir das, was ich brauchte. Oft bekam er die Streitereien zwischen dem Monster und mir gar nicht mit. Aber ich erzählte ihm alles. Am Anfang erntete ich ungläubige Blicke. „Deine Mama ist doch so eine Nette!“ Diesen Satz höre ich sogar heute noch. Obwohl ich allen erzähle, welch herzloses Monster mich da geboren hatte.

Eines Tages sollte es aber so kommen, dass er einen Streit mitbekam. Er war so heftig, dass ich vieles vergessen habe. Nur blieb das „kleine Video“ in meinem Kopf, wie ich auf der Treppe weinend sowie schreiend zusammenbrach und diese Frau auf mich einschlug. Mein ehemaliger Freund konnte diese Frau abhalten, weiter auf mich einzuprügeln und mir böse Worte an den Kopf zu werfen.

Dieser Moment war so erniedrigend, dass ich sterben wollte. Ich rannte auf mein Zimmer, suchte nach irgendwas und fand einen Metall-Mienenbleistift.

Sie hatte Macht über mich – warum weiß ich nicht

Diesen rammte ich mir in meinen Arm und ritzte bis zur Bewusstlosigkeit. Als ich zu mir kam, hatte mir mein Freund den Arm verbunden und wiegte mich auf seinem Schoß.

Abends zum Essen (es war Gesetz, immer gemeinsam zu essen!) traf ich in der Küche auf diese Frau. Irgendwann fragte sie gelangweilt: „Warum hast du den Kram um deinen Arm?“ Ich antwortete gelangweilt (bemühte mich mit aller Kraft nicht zu weinen): „Ich bin ins Rosenbeet gefallen.“ Damit war das Thema gegessen. Für diese Frau.

Erst zu spät hatte ich gelernt, dass ein Kinderheim wohl doch das Beste für mich gewesen wäre. Aber diese Frau hatte es geschafft, mich so zu beeinflussen, dass ich bis heute denke: Ich bin auf sie angewiesen. Mütter sind das höchste Gut. Man muss ihr gegenüber immer unterlegen sein, sie hat immer Recht und Kontaktabbruch macht man nicht.

Wie sie das geschafft hat, weiß ich bis heute nicht. Und ich kann mich bis heute nicht lösen. Das macht mir so zu schaffen.

Dich müsste man totschlagen!

Spätestens vor 10 Jahren hätte ich mich aber lösen müssen. In dem Moment, als dieses Monster mit einem Hammer auf mich einschlagen wollte. Weil ich (als Volljährige) nicht pünktlich um 21:00 Uhr sondern 21:05 Uhr zu Hause ankam.

Ich weiß auch hier nicht mehr, was sie alles schrie. Nur noch „Dich müsste man totschlagen!“, als sie mit dem Hammer am Hauseingang auf mich zukam. Ich rannte barfuß aus der Tür. Direkt auf die Straße. Ich schrie um Hilfe. Ich weiß nicht, ob es jemand mitbekam. Hilfe bekam ich jedenfalls nicht.

Ich rannte die Querstraße runter, das Monster mit dem Hammer hinter mir her. Irgendwann warf ich mich ins Gebüsch eines verlassenen Grundstückes und kauerte da, bis die Luft wieder rein war. Wie lange? Das weiß ich nicht mehr. Auch nicht wie es war, als ich wieder nach Hause ging.

Weil du es verdient hast!

Oft habe ich es vergessen, wieso sie es tat. Ihre Antwort heute „Weil du es verdient hast!“ hilft mir bei der Rätselsuche gar nicht. Aber vielleicht gibt es keine Antwort für mich. Welchen Grund sollte es auch geben, ein Kind mit einem Besenstil (mit nacktem Po über dem Knie hängend) zu verdreschen? Keinen. Niemals. Auch nicht „Du hast einen Kaugummi geklaut!“.

Wenn ich manchmal lese „Ein Klapps auf den Po hat mir damals nicht geschadet, auch nicht der Beziehung zu meinen Eltern.“ Dann wünsche ich mir, dass diese Person niemals ihr Kind schlägt. Denn kein Lebewesen (auch Tiere!!) hat einen Klapps, einen Schlag, einen Tritt o.ä. verdient.

Und wenn du so denkst, dann sprich mit Menschen, die „nur einen Klapps“ bekommen haben, wie die Beziehung zwischen ihnen und deren Eltern ist und (!) geh dir Hilfe suchen. Solch (auch nur) ein Gedanke ist sehr grenzwertig.

„Deine Kinder wirst du auch schlagen!“ Nein Mutter. Das werde ich nicht. Niemals. Eher schlag ich mir die Hände ab.

Poppy.

Von |2018-02-08T12:08:19+00:00Februar 8, 2018|Kategorien: Dies & Das, Muttergefühle|Tags: , , , |1 Kommentar

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