Hallo ihr Lieben,

heute gibt es Neuigkeiten von Susanne Ptak. Sie hat sich Zeit genommen, mir ein paar spannende Fragen zu beantworten 🙂


1. Da es sicherlich immer noch ein paar Leser gibt, die dich noch nicht kennen, möchte ich dich bitten, dich kurz vorzustellen und den Lesern deinen bisherigen beruflichen Werdegang ein bisschen näher zu bringen :-).

„Oha … Der ist lang, weil … ich bin alt 😀 Nein, Spaß, ich fasse mich möglichst kurz und lasse die gefühlt 100 Kurzzeitjobs einfach weg: Eigentlich bin ich eine gelernte Rechtsanwaltsgehilfin, habe aber nur die Ausbildung absolviert und nie in dem Beruf gearbeitet. Nach der Lehre (ja, damals nannte man das noch so) fing ich als Sekretärin in einerWerbeagentur an. Mein Chef erkannte allerdings schnell, dass meine Talente eher kreativer als organisatorischer Natur waren, und darum verfasste ich bald Werbetexte und arbeitete zeitweise im Atelier als Illustratorin. 1994 machte ich mich mit einem Bastelgeschäft selbständig, welches aber leider der Euroeinführung zum Opfer fiel. Ich versuchte einen zweiten Anlauf nach unserem Umzug 2003 nach Ostfriesland, der aber scheiterte. In dieser Zeit machte ich allerdings meine ersten Erfahrungen als Autorin, denn ich schrieb 32 Bastelbücher; noch unter meinem Mädchennamen Susanne Scholz. 2006 eröffnete ich dann auf unserem Hof meine eigene kleine Schafskäserei. Die Arbeit mit den Schafen und das Käsen hat mir sehr viel Freude bereitet. Doch ist es auch eine körperlich sehr anstrengende Tätigkeit – und ich war keine 25 mehr … – und überdies war es außerordentlich schwierig, den erforderlichen Stammkundenkreis aufzubauen, denn auch in Ostfriesland legt der Kunde mehr Wert auf niedrige Preise als auf Qualität … Aus lauter Frust schrieb ich dann 2013 meinen ersten Ostfrieslandkrimi „Grünlandmord“, der im Februar 2014 erschien. Seitdem darf ich Autorin sein und bin sehr glücklich mit dieser Wendung des Schicksals!

2. Bitte beschreib uns doch mal, worum es in deinem neusten Werk „Tod eines Loverboys“ geht?

„Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Fans meiner Ostfrieslandkrimis dieses Mal ein wenig schockiert sein werden, denn das Thema ist nichts für schwache Nerven. Gleich zwei Menschen werden in kurzen Abständen tot aufgefunden. Das erste Opfer ist die sechzehnjährige Leonie, der zweite Tote ihr vermeintlicher Freund Jannik. Die Suche nach dem Täter bringt Kriminaloberkommissarin Insa Warnders an ihre emotionalen Grenzen. Als Mutter einer siebzehnjährigen Tochter belastet es sie doppelt, in einem Abgrund aus Missbrauch und Psychoterror ermitteln zu müssen.“

3. Es ist erst der zweite Fall, in der Reihe Insa Warnders ermittelt. Woher holst du dir die Inspiration für ihren Charakter? Gibt es Parallelen zwischen dir und Insa als Person?

„Ich persönlich mag sie besonders gerne, daher habe ich mich sehr gefreut, dass es einen neuen Fall mit ihr gibt :-)So genau kann ich gar nicht sagen, woher ich diese Inspiration hole. Wie die meisten Autorenbeobachte ich viel, auch Dinge, Gesten, Äußerungen etc., die manch einem vielleicht gar nicht auffallen. Bewusst und unbewusst speichert man dann einiges ab und wenn ein neuer Charakter „erschaffen“ wird, ist das dann einfach da. Ich denke eigentlich nie groß über meine Charaktere nach. Sie entwickeln sich beim Schreiben. Für die Insa-Warnders-Reihe wusste ich am Anfang nur, dass ich eine geschiedene Frau mit Kindern haben wollte, um auchdie Alltagsproblematik in die Geschichte einbeziehen zu können. Alles andere ergab sich irgendwie. Ist schwer zu beschreiben :-D. Und ja, es gibt Parallelen zwischen Insa und mir. Welche das sind, verrate ich allerdings nicht 😉.“

4. Die Thematik, die du in deinem neuen Krimi behandelst, ist ja schon sehr speziell, oder? Was hat dich dazu inspiriert? Wie sah deine Recherchearbeit hier aus?

„Tatsächlich sehe ich mir hin und wieder eine von diesen Polizeiserien an. In diesem Fall „AufStreife“. Da werden zwar keine Morde thematisiert, aber es gibt durchaus Verbrechen, die als Motiv für einen Mord dienen können, spinnt man sie weiter. So war es auch in diesem Fall, indem ein Teenager in die Fänge eines „Loverboys“ geraten war. Bei „Auf Streife“, wurde das Mädchen gerettet, bevor etwas geschah, doch der Gedanke, dass man Menschen derartig manipulieren kann, ließ mich nicht los. Meine Recherchearbeit beschränkte sich diesmal auf das Internet. Man findet etliche Informationen zu diesem Thema.“

5. Wie sehr bewegt es dich selbst, wenn du eine solche Thematik, wie „Loverboys“ behandelst?

„Die Masche ist ja mehr als nur skrupellos und menschlich mehr als nur abscheulich.Ich denke, ich gehe, gerade wenn das Thema „härter“ ist, eher wie ein Ermittler an die Sache heran und versuche, mich emotional nicht völlig darin zu verstricken. Was natürlich nicht einfach ist, wenn man andererseits die Gefühle der ermittelnden Kommissare berücksichtigen will. Dennoch hatte ich bei den Recherchen mehrfach Magenschmerzen und zeitweise sogar überlegt, ob ich diesen Krimi wirklich schreiben soll. Ein Gespräch mit einer Freundin darüber, nahm mir die Entscheidung dann ab. Sie kannte weder den Begriff „Loverboys“ nochwusste sie, was diese Männer tun. Also entschied ich, dass es wohl nicht verkehrt ist, durch einen Krimi mehr Menschen auf diese abscheulichen Verbrechen aufmerksam zu machen.“

6. Was denkst du, aus welchen Gründen, kann es einem jungen Mädchen, einer Frau passieren, dass sie auf eine solche Masche hereinfällt?

„Es ist erschreckend, aber ich glaube inzwischen nicht mehr, dass es dafür spezielle Gründe gibt. Die Mädchen und Frauen sind schlichtweg, wie man so schön sagt, blind vor Liebe. Ich habe letzthin erst etwas über eine Gruppe, die auch online unterwegs ist, gelesen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, genau solche Menschen selbst so zu manipulieren, dass sie gefasst und auch bestraft werden können. Bist du bei deiner Recherche auch solche Informationen auch gestoßen?Auf eine solche Gruppe bin ich nicht gestoßen, allerdings weiß ich, dass es Elterninitiativen gibt, die sich gegenseitig unterstützen, die Töchter da wieder herauszubekommen.“

7. Nun aber nochmal zu etwas Erfreulichem ;-), wie würdest du denn Insa als Charakter beschreiben? Was macht sie für dich aus?

„Insa ist eine ziemlich taffe Frau, die ihre Kinder über alles liebt, aber auch in ihrem Beruf aufgeht und sich dementsprechend engagiert. Das unter einen Hut zu bringen, ist für sie manchmal nicht so ganz einfach. Darum ist sie einerseits glücklich über die Hilfe von Mutter und Großmutter, andererseits begeisterte es sie nicht so wahnsinnig, dass sie sich darum gezwungen sah, nach der Scheidung auf den elterlichen Hof zurückzukehren. Obwohl Insa mit beiden Beinen fest im Leben steht, nagen auch an ihr häufig Zweifel und Unsicherheiten, nicht zuletzt was das Thema Liebe angeht. Für mich macht Insa aus, dass sie ein völlig normaler Mensch ist, mit Stärken und Schwächen. Weder Mutter des Jahres noch Superpolizistin. Und ich hoffe, dass es mir gelingt,das genauso rüberzubringen.“

8. Hast du schon Pläne/Ideen für einen weiteren Fall? Vllt lässt du uns reinschnuppern? Oder darfst uns dazu ein wenig erzählen?

„Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich gerade etwas ideenlos herumirre. Als Nächstes ist eigentlich Josefine Brenner wieder dran, doch selbst für die pensionierte Rechtsmedizinerin habe ich noch keinen passenden Mordfall im Kopf … Ich fürchte, dass es den derzeitigen Ereignissen geschuldet ist. Zurzeit grüble ich noch, ob ich Corona in die nächste Geschichte einfließen lasse oder es großzügig ignoriere. Dementsprechend muss ich ja dann auch den Mordfall anlegen. Es ist fatal, aber auch auf fiktive Menschen hat dieses verdammte Virus Einfluss.“

Vielen Dank liebe Susanne für deine interessanten Antworten !!