Wer mich auf Twitter verfolgt, weiß, dass ich aktuell nach einer Tagesmutter für Marie suche. Geplant war ursprünglich, dass sie mit 2 Jahren in eine betreute Spielgruppe geht. Es geht dabei um Entlastung für uns Eltern. Drei Vormittage in der Woche á maximal 4 Stunden. Sie war angemeldet, die Umgebung kannte sie vom Babykurs – alles fein. Allerdings wurde diese Gruppe pünktlich zu August 2019 eingestellt… Orrr! Also musste eine Alternative her.

Plötzlich wird es ganz schön teuer

Wir hatten ja schon parallel versucht eine Tagesmutter zu finden und nun verstärkten wir diese Suche noch und nahmen das Tagesmutternetzwerk zur Hilfe. Da es da aber Mau aussah, streckten wir die Fühler weiter aus und stießen auf die mobile Tagesmutter (auch Kinderfrau genannt), die das Kind im eigenen Haushalt betreut. Auch hier hatte ich 10 bis maximal 15 Stunden angesetzt. Allerdings würde uns das sogar 450 Euro monatlich kosten. Ouch! Plus Claires monatliche Schulkosten wäre das echt übel. Ich möchte an dieser Stelle klar stellen, dass ich die Höhe der Kosten als solche nicht ankreide. Die haben ihre Berechtigung. Wir können uns das nur einfach nicht in dem Stil leisten. Das ist alles.

Last but not least…

Also zurück zur Tagesmutter (bzw. Großtagespflegestelle). Ich lehne die Kita aus gewissen Gründen ab. Außerdem sind wir eh viel zu spät dran. Die Kitaplätze wurden bereits Anfang des Jahres vergeben. Es gibt nur noch Wartelisten (auf die ich Marie zwar angemeldet habe, aber wenig Hoffnung sehe) und freie Plätze sind den Härtefällen vorbehalten (völlig berechtigt). Ein Härtefall sind wir aber nicht. Immerhin bin ich ja zu Hause und „nur mein Mann arbeitet“.

Aus diesem Grund wurde ich auch oft verwundert gefragt, warum Marie überhaupt schon in Betreuung soll. Ich sei ja eh daheim.

Oder auch schön:

„Warum lässt du sie nicht gleich zu Hause? Also ICH habe auch alle Kinder daheim und schaffe es.“

„Lass sie doch einfach zu Hause“

Ehrlich gesagt, fand ich diese Rückfragen traurig und schockierend. Ich fülte mich wie ein Versager. Ja, ich bin zu Hause. Aber ist es so falsch sich 2 bis 3 Vormittage in der Woche nur dem Baby widmen zu wollen? Wir hätten Zeit für einen Babykurs, ich könnte den Haushalt irgendwie machen oder – ganz schlimm – auch einfach nur mal auf der Couch liegen, Babyduft genießen und NICHTS TUN. Gott verdammte scheiß faule Mudda!

Wie kann ich es mir anmaßen, als Mama bald dreier Kinder Auszeiten und Entlastung zu suchen? Also echt jetzt… Ich dachte ja immer Betreuungsplätze sind dazu da, Eltern grundsätzlich zu entlasten. Und nicht nur der erwerbstätigen Fraktion vorbehalten. Was ein geistiger Dünnschiss meinerseits. So kann man sich irren. Bin Ich zu Haus und möchte Hilfe, bin ich faul. Schaffe ich es nicht allein mit drei Kindern, bin ich eh eine überforderte Rabenmutter. Bla!

Bin ich eine Versager-Mama? Scheint so

Zurück zum Thema. Ich brauche Entlastung. Es gibt ja Eltern die schaffen alles: Kind, Baby, Hausaufgaben mit dem großen Kind, Haushalt, Yoga, gemeinnützige Arbeit, geilen Sex. Wow. Respekt! Ich schaffe das halt nicht… Das macht mich vielleicht zu einer Versager-Mama, aber schlimmer wäre es, das nicht zuzugeben und die Kinder dann anzuschreien, zu bestrafen oder gar zu schlagen!

Bevor ich also zu einer Arschloch-Mama werde, werde ich halt zur Versager-Mama. So what.

Das Problem bei einer Tagesmutter ist, dass sie selten „Teilzeit-Plätze“ anbieten. Ich suche ja nach wie vor nur 10 bis 15 Stunden. Ich habe schon gemerkt, dass das nahezu unmöglich ist und auf 20 aufgestockt. Nix. Unter 35 Std gibt es bisher nichts für mich. Auch beim Netzwerk für Tagesmütter sagte man mir, dass es extrem schwierig sei einen 20 oder 25 Std. Platz zu bekommen. Das Problem: Je mehr Stunden ich nehme, desto mehr muss ich zahlen. Da sind wir dann wieder bei der Kostenfrage. Doch selbst da habe ich bereits in den sauren Apfel gebissen. Zahle ich halt 35 Stunden und nutze nur 10. Aber leider findet sich keine passende Tagesmutter für uns. Das wäre das nächste Problem…

Warum überhaupt 3 Kinder, wenn ihr euch das nicht leisten könnt!?

Und bevor mir jetzt irgendjemand wieder so einen wundervoll empathisch-freundlichen „warum habt ihr euch dann für das dritte Kind entschieden?!“ um die Ohren knallt: Haben wir nicht Mal. Es hat sich für uns entschieden. Die kleine Überraschung wirbelt alles durcheinander. Und wenn nun glorreich folgt „ja, dann muss man halt zurückstecken!“. Ja, auch das tun wir. Denn es ist nicht gerade unser Traum mit 3 Kindern und 2 Katzen im Dachgeschoss einer Dreizimmerwohnung zu leben. Nein. Wirklich nicht.

Langfristig werden wir das Elternschlafzimmer an die Kinder abdrücken müssen und verlieren unseren Rückzugsort, der ja selbst jetzt kein wirklicher Freiraum ist, da wir das Familienbett haben… Wir kaufen auch kein größeres Auto sondern werden uns in den Kombi quetschen – ich auf die Rückbank zwischen zwei Reboardern, das wirklich, wirklich scheiße eng und unbequem ist!

Zwischen zwei Reboardern eingequetscht

Wir stecken beim Thema Urlaub zurück, es wird (noch) weniger Fleisch und Wurst geben. Unter der Woche koche ich schon gar nicht mehr. Womöglich gibt es wieder Milch aus dem Tetrapack statt aus der Flasche. Obst/Gemüse aus dem Lidl, statt vom Bauern nebenan. Wir hatten angefangen auf Plastik verzichten zu wollen und rudern jetzt eben wieder etwas zurück. Bisher war es mir leider nicht möglich auf demselben Preisniveau einzukaufen: es wurde alles teurer.

Japp, wir werden zurückstecken. Keine Frage. Dennoch möchte ich die Betreuungskosten im Auge behalten. Zumal ich es irgendwie doch ungerecht finde, 10 Stunden zu nutzen und 35 bezahlen zu müssen… So viel zum Thema „Eltern hätten ein Recht darauf, flexibel so viel Betreuung zu erhalten, wie sie brauchen“. Ähm ja, der nächste der mir das erzählt bekommt ein müdes Kopfschütteln.

Ansprüche an Tagesmutter zu hoch?

Aktuell sieht es aber leider nicht gut aus. Viele Tagesmütter gibt es hier nicht und dann habe ich auch noch so krasse Ansprüche wie „gewaltfreie Erziehung“! Kinder bloß nicht allein im Raum weinen lassen! Keine Strafen einsetzen. Für viele Mütter meiner Bubble klingt das selbstverständlich, aber ich weiß, dass außerhalb eine andere Musik gespielt wird. Da haben Kinder folgsam zu sein, wenn es sein muss eben mit Gewalt, Isolation, Schimpfe.

Ich war in der vergangenen Zeit bisher bei zwei Tagesmüttern vor Ort (online habe ich noch einige mehr kennenglernt, inkl. ihrer grußeligen Einstellung zu Kindern) und beide haben quasi „die Stille Treppe“ in abgewandelter Form angewandt. Kombiniert mit Strafen wie sozialer Isolation und Liebesentzug. Möchte ich das für meine Zweijährige? Nein. Ich möchte das für kein Kind. Das ist aber ein Problem…

Liebevoll, solang das Kind funktioniert

Ich hatte mir erst überlegt zu schildern, was im Detail bei den Tagesmüttern abgelaufen ist. Allerdings würde das zu weit führen. Besonders im zweiten Fall müsste ich Telefonate und den Mailverkehr offenlegen um aufzuzeigen, wo die Problemfelder liegen. Das ist dann doch zu heftig (und wäre auch nicht wirklich rechtens). Ich möchte also, dass ihr mir an dieser Stelle vertraut, wenn ich euch sage: Kinder werden dort solange gut behandelt, wie sie „funktionieren“. Wenn nicht, werden sie bestraft. Für ihre Emotionen. Und so etwas wird dann als bedürfnisorientiert verkauft.

Ein- bis Dreijährige Kinder werden dafür bestraft sich nicht im Griff zu haben!!! Verdammte Axt, sind diese Frauen eigentlich noch ganz bei Trost?! Sorry, geht gleich wieder…

Kurz wollte ich einfach alles vergessen

Tatsächlich war ich kurz an dem Punkt, an dem ich dachte: „Na gut, ehe ich gar keine Entlastung bekommen, nehme ich halt eine Tagesmutter, die Strafen und Co. einsetzt. Hauptsache ein paar Stunden durchatmen“. Nach mehreren schlaflosen Nächten weiß ich aber, das kann ich Marie nicht antun. Nein, einfach nein. So kaputt bin ich dann doch noch nicht, um ihr das anzutun. Und hier bin ich an dem Punkt, da bereue ich es etwas, mir so viel über Kinder angelesen zu haben…

Warum? Weil ich heute weiß, wie schädlich die klassische Erziehung ist. Und wie weit verbreitet noch alte Erziehungsmythen sind. Wie sehr Gewalt in der Gesellschaft und auch von den höheren Institutionen, die Kinder eigentlich schützen sollten, toleriert, sogar gefördert wird! Es ist unsagbar schwer da die Augen zu verschließen und wegzuschauen. Aber diesen Kampf gegen Windmühlen kann ich nicht gewinnen. Nicht im Augenblick.

Manchmal wüsste ich gern weniger

Manchmal wünschte ich mir, ich hätte all das Wissen nicht. Da möchte ich einfach mit meinen alten Grundsätzen handeln. Frei vom schlechten Gewissen gegenüber den „Tyrannen, die ja nicht verwöhnt werden dürfen. Denen ein Klaps ja nicht schaden kann“. Dann wäre alles so viel leichter. Ich würde nicht versuchen in Beziehung zu gehen, sondern dem Kind klare machterfüllte Ansagen machen, wenn es mich nervt einfach ins Zimmer schicken und, wenn mich die Unordnung stört, schmeiß ich das Spielzeug einfach weg.

Dann erinnere ich mich aber daran, was das alles damals mit MIR gemacht hat und schlagartig wird mir bewusst: Es ist gut so, wie es ist. Meine Ansprüche sind nicht zu hoch. Niemals kann ein Anspruch, der eine gewaltfreie Kindheit einfordert, zu hoch sein. Nie.

 

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Das bin ich – Yasmin – die Rabenmutti zweier Mädchen, glücklich schwanger mit dem dritten Kind. Aber das bin ich auch: Pia (mein ehemaliger Rufname), mehrfach in der Kindheit missbraucht. Groß geworden mit Gewalt – Kochlöffel, Schuh, Gürtel, Fusstritte in den Bauch, seelische Schmerzen und Grausamkeiten. Ausgezogen mit 15, um all dem zu entfliehen. Mein halbes Leben lang wurde mir gezeigt, ich sei falsch, meine Gefühle seien falsch (ich bin wohl auch #Gefühlsstark), ich muss mich anpassen. Und das wurde mit Gewalt gefordert und umgesetzt. Mein Leben lang setze ich daher Masken auf. Versuche mich anzupassen, zu verstehen, was die Gesellschaft um mich herum will. Das fällt mir nicht leicht. Jedes Mal, wenn ich mich sicher fühle und diese Maske anhebe, erfahre ich Ablehnung. In all den Jahren habe ich viel Negatives mitgenommen. Liebe habe ich erst sehr spät erfahren (und auch viel Scheiß gemacht!). Ich bin auch gewiss kein Optimist. Ich mag Optimisten auch nicht besonders. Diejenigen, die alles positiv sehen, denen für mich, „die Sonne aus dem Arsch scheint“ 🤣🤗 Ich habe zu viel erlebt, um so zu denken und zu fühlen. Lange habe ich es versucht, aber bin gescheitert. Der Kampf in mir selbst, hat zu viel Kraft gekostet. Mittlerweile sehe ich mich mehr als Realist. Ich wäge ab, recherchiere, vergleiche mit meiner Erfahrung und komme zu einem Schluss. Der muss nicht immer positiv sein. Der ist auch Mal negativ. So ist es halt im Leben. Da passieren schlimme Dinge. Manchen mehr als anderen. Jeder geht anders damit um. Es gab Zeiten, da habe ich alles in mich hineingefressen, habe den Kummer allein ertragen. Das führte zu ein paar halbherzigen Suizid Versuchen. Mittlerweile spreche ich offen aus, was mich stört und belastet. Mal seltener, Mal öfter. Und das stört andere. Das nervt andere. Aber ein kleiner Teil Menschen versteht es auch. Und ich glaube mittlerweile: Mich muss der Großteil gar nicht verstehen. Der kleine Teil reicht vollständig aus. Das ist nämlich der Teil, der die echte Yasmin kennt und akzeptiert. Und das ist wichtig. Alles andere nicht💖 #momselfie #momof3 #momlife #selbstbildnis #selfcare #selfie #Kindheitserinnerungen #kindheit #selbstfürsorge

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Entlastung für Eltern ja, aber nicht zu jedem Preis

Aber das Leben mit einem dritten Kind wird nunmal anstrengender. Entlastung täte uns allen gut. Wir suchen also weiter. Vielleicht haben wir ja Glück. Ich bin sicherlich bereit ein paar Abstriche zu machen. Klar! Aber sicherlich nicht, wenn ich weiß, dass meinem Kind soziale Isolation und Abweisung blühen könnten wenn sie einen Frustanfall hat. Es gibt Dinge, die kann ich zu Hause abfangen und korrigieren, aber es gibt eben auch Dinge, die hinterlassen zu tiefe Narben. Zu diesem Preis möchte ich sie dann doch nicht in die Betreuung geben. Was andere machen und sagen ist mir hier ehrlich auch egal.

Aktuell ist mein Plan also noch, einen geeigneten Platz zu finden. Auch wenn ich zu Hause sein werde. Die Entlastung möchte ich mir nicht nehmen lassen, da ich ja auch keine Oma in direkter Nähe habe die mich irgendwie spontan unterstützen könnte. Eine finanziell ebenfalls heftige Variante wäre die Hilfe eines Babysitters in Anspruch zu nehmen, der einfach ein paar Stunden in der Woche kommt. Ich könnte in Ruhe das Baby stillen oder vielleicht gemeinsam mit dem Baby schlafen, während die größeren Kinder im Zimmer nebenan bespaßt werden. Ab und an könnte ich einen U-Termin oder eine Impfung wahrnehmen, ohne die anderen Kinder mitzuschleppen. Völlig unkompliziert, so der Plan.

Der Preis für Entlastung ist leider (zu) hoch

Normalerweise übernimmt übrigens der Arbeitgeber meines Mannes einen Teil der Betreuungskosten für die Kinderbetreuung bis zum 6. Lebensjahr (der kann das steuerlich irgendwie geltend machen, also fragt mal nach!). Da ein Babysitter (auch Kinderfrauen) aber nicht zu „Kita oder Tagesmutter“ zählt, bekommen wir keine Unterstützung. Uff. Mal eben rechnen: Zusätzliche Babysitterkosten PLUS Hausaufgaben-Betreuungskosten für Claire – happig.

Das letzte Kitajahr ist hier kostenlos, daher wird kein anderer Kostenträger frei oder so. Wir müssten auch hier mit monatlichen Ausgaben von mehr als 400 Euro rechnen. Einfach so (und all, die jetzt sagen: „Na und?“ bewundere ich, dass sie das Geld übrig haben. Echt. Ihr macht etwas richtig, was wir falsch machen. Hilft mir jetzt an der Stelle nur leider auch nichts, es sei denn, ihr möchtet das bezahlen. Nein? Dann müsst ihr mir das auch nicht auf die Nase binden. Danke.).

Finanziell ist ein drittes Kind nicht drin

Das wäre ganz schön viel Geld auf einmal. Und das auch nur, wenn wir dem Babysitter „nur“ 12 Euro pro Stunde bezahlen (zzgl. Steuern) – was sehr viele aus meiner Bubble sogar als zu wenig definieren, ich weiß. Ich meine, wow! Ich hätte auch gern 20 Euro/Std. als Babysitter verdient, keine Frage! Selbst als Marketing Managerin verdiene ich nicht so viel pro Stunde. Augen auf bei der Berufswahl!? Aber wer kann es sich wirklich leisten? Bezahlt ihr das wirklich? Also, könnt ihr das? Meldet ihr auch alle an, oder lasst ihr schwarz arbeiten (in meiner Bubble machen scheinbar das total viele) um die Kosten doch zu drücken?

Was jetzt nicht heißen soll, es sei nicht gerechtfertigt oder so. Wir können es uns schlichtweg einfach nicht leisten. Oder anders: Wir können uns eigentlich kein drittes Kind leisten.

Immerhin wollte ich auch dem dritten Kind mindestens zwei Jahre Elternzeit widmen. Das heißt aber auch, dass ich nur roundabout 150 Euro Elterngeld monatlich erhalten werde (Elterngeld auf 2 Jahre gesplittet). Leider habe ich kein volles Jahr gearbeitet, also ist meine Berechnungsgrundlage mehr als Mau… So ist es, wenn Überraschungen unser Leben vollständig durcheinander wirbeln…

Entlastung gibt es auch anders

Tja, und nun? Mehr als weitersuchen bleibt nicht übrig. Mal sehen. Sollte es nicht möglich sein eine Betreuung zu finden, werde ich vielleicht mehr Entlastung beim Haushalt suchen und unsere Putzhilfe öfter als alle 2 Wochen kommen lassen (falls ich da endlich mal jemanden finde, der nicht das Waschbecken mit dem Klolappen putzt). Außerdem läuft eine Anfrage beim Wellcome-Programm (siehe unten) und den „Großeltern auf Zeit“. Dann investiere ich eben an anderer Stelle Geld, damit es hier rund läuft. Irgendwas wird mir schon einfallen… Oder ich werde in den Mama-Burnout rasseln. Wer weiß..

Strafen sind Gewalt

Auch „nur Hausfrauen“ haben ein Recht auf Hilfe

Ich weiß nur, dass ich auch als „nur Hausfrau und Mutter“ verdammt nochmal das Recht habe, Entlastung zu bekommen. Niemand muss alles alleine schaffen. Um ein Kind großzuziehen benötigt man ein ganzes Dorf. Und das ist nach wie vor korrekt. Was anderes lasse ich mir da gar nicht erst einreden. Und der Nächste der mir damit krumm kommt, werde ich einfach stumpf blockieren. Spart euch einfach den Atmen. Keine Mama (oder auch Papa), die Hilfe sucht, ist eine schlechte Mama/Papa/Elter.

Im Gegenteil. Sie haben wenigstens den Mut zuzugeben, dass sie nicht mehr weiterkommen und wollen Entlastung schaffen. Sie lassen ihre Kraftlosigkeit nicht an den Kindern aus sondern möchten es aktiv besser machen. Das ist toll! Und das sollte nicht kleingeredet werden. Oder gar verurteilt.

Um die Frage also zu beantworten: JA! Entlastung mit drei Kindern (und auch wenigern oder mehr) ist natürlich erlaubt. Für Familien, für Alleinerziehende, für alle.

Hier ein paar Möglichkeiten zur Entlastung für Eltern

Während meiner Suche nach Hilfe, bin ich über ein paar Hilfestellen gestolpert, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Hier finden Eltern vor allem im ersten Lebensjahr des Babys Hilfe und Unterstützung. Vielleicht seid ihr ja in einer ähnlichen Situation, habt eure Super-Muddi-Pillen vergessen und wünscht euch dringend Entlastung. Dann schaut mal hier vorbei:

  • Wellcome-Programm (an 230 Standorten in Deutschland, Österreich und Schweiz): Ehrenamtliche Helfer kommen im ersten Babyjahr vorbei und kümmern sich um das Baby oder Geschwisterkinder [Kosten: ca. 5-7 Euro/Std.]
  • Haushaltshilfe via Krankenkasse: Während der Schwangerschaft und den ersten Wochen mit dem neuen Erdenbürger, gibt es die Möglichkeit (unter Berücksichtigung einiger Faktoren) eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse zu beantragen. Diese kümmert sich nicht nur um den Haushalt, sondern kann auch für die Kinderbetreuung eingespannt werden [Kosten: bei gesetzlichen Krankenkassen fallen für diesen Sonderfall keine Kosten an]
  • Der Klassiker: Kinderbetreuung via Kita, Tagesmutter oder Kinderfrau – ja es ist ok, das Kind auch mal „fremdbetreuen“ zu lassen, um mehr Zeit für sich oder andere Kinder zu haben [Kosten: Regional unterschiedlich]
  • Allgemeine Hilfe: Unter „Frühe Hilfen“ gibt es die Möglichkeit nach Hilfestellen aus dem Umkreis zu suchen. Das Portal wird gefördert vom BMFSFJ.
  • Pro Familia bietet (regional) ebenfalls eine Art Begleitung junger Eltern an, um sie im ersten Jahr zu entlasten. Am besten ihr fragt einfach unverbindlich nach.
  • Großeltern auf Zeit“ und ähnliche Angebote: Es gibt verschiedene Anbieter, die eine Art „Leih-Großeltern“ Service anbieten. Manche sind kostenpflichtig, manche nicht. Hierbei kommen einfach ältere Menschen zu euch, bespaßen die Kinder und ersetzen ein wenig die fehlenden Großeltern. Allerdings sind diese Angebote sehr beliebt, die Nachfrage ist hoch. Meldet euch frühzeitig.
  • Babysitter sind auch sehr beliebt. Aber leider lassen sich nur wenige über die Minijob-Zentrale anmelden. Doch nur so könnt ihr die Kosten beispielsweise über die Steuererklärung absetzen. Mal davon abgesehen, dass alles andere Schwarzarbeit ist und im Falle eines Unfalls habt ihr echt die A-Karte…
  • Wer besonders Hilfe als Erstlingsmama benötigt, kann sich eine Familienhebamme suchen. Diese bietet mehr Hilfestellung als eine „normale“ Hebamme und kommt bis zum vollendeten ersten Lebensjahr.
  • Natürlich bietet auch das Jugendamt Anlaufstellen und Hilfe an. Allerdings habe ich da schon so einige Grußelgeschichten gehört und habe leider selbst mehrere schlechte Erfahrungen mit unserem Jugendamt bzw. der Stadt gemacht, was den Umgang mit Kindern betrifft. Das kann also helfen, kann es aber auch schlimmer machen…

Wichtig ist allgemein: Sich nicht verunsichern lassen wenn man von den Helfern/ihren Methoden nicht überzeugt ist. Dann besser darauf verzichten und nach Alternativen umsehen! Handelt immer im Sinne und zum Wohle des Kindes. Selbst, wenn man euch einreden möchte, dass ihr gerade gegenteilig handelt (Stichworte: „Verwöhnen“, „Tyrann“, „Auf der Nase tanzen“).

PS: Leser, die finden, Strafen machen Kinder erst „robust“ und brauchen diese gaaaanz dringend, können sich ab sofort gern einen anderen Blog suchen. Ich hatte in der Vergangenheit so viele Diskussionen dazu und bin es leid, so ein kinderverachtendes Gelaber zu lesen. Auch Kommentare, die Gewalt gegen Kinder verherrlichen, werden NICHT freigeschalten.