Die Antwort ist leicht. Es muss gar nicht. Klingt natürlich provokativ, weil das geht ja nicht, dass die Kinder noch in der Schule eine Windel tragen – eine tief verankerte Angst vieler Eltern. Allerdings überwiegend unbegründet. So viel vorweg.

Der Druck der Gesellschaft

Auch ich hatte Mal Angst und spüre natürlich den Druck von allen Seiten. Und damit meine ich nicht den Druck auf der Toilette, leider. Befreundete Mütter zeigen wenig Verständnis, dass die Mittlere noch immer eine Windel trägt. Auch von anderen Seiten wird der zunehmende Druck spürbar. Ihre Kinder sind ja auch alle schon trocken und es ist ja eh nur eine Frage der Erziehung. Aber genau das ist falsch.

Die gesellschaftlichen Erwartungen sind einfach enorm! Und dann beginnt der Teufelskreis aus eigenem Druck, um den Erwartungen anderer Menschen gerecht zu werden – statt das Kind im Blick zu haben. Nicht nur ich kämpfe mit Druck. Ganz viele andere Eltern auch:

Sauberkeitsentwicklung bei Kita-Kindern

Weil das Thema Sauberkeitsentwicklung auch bei uns sehr aktuell ist, möchte ich euch einige meiner Erkenntnisse aus diversen Studien (Quellen am Ende des Beitrages) nicht vorenthalten. Ich werde euch erklären, ab welchem Alter Kinder wirklich trocken sein können (nicht müssen!) und in diesem Zuge auch eine wunderbare Lektüre zum Thema Sauberkeitsentwicklung bei Kita-Kindern* vorstellen, die von einem Grundgedanken ausgeht:

„Wichtig ist, dass nicht der Ehrgeiz schnell trocken und sauber zu werden im Mittelpunkt steht. Das Wohlbefinden des Kindes befindet sich im Zentrum des Interesses.“ (Sauberkeitsentwicklung bei Kita-Kindern, Petra Stamer-Brandt)

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich explizit über SauberkeitsENTWICKLUNG schreiben möchte. Auch eine treffende Bezeichnung ist „Ausscheidungsautonomie“ von  Dr. rer. nat. habil. Gabriele Haug-Schnabel. Sauberkeitserziehung gibt es nämlich nicht. Oder sollte nicht.

Das Töpfchen ist präsent und im Blickfeld der Kinder.

Entwicklung benötigt keine Erziehung

Der Schritt zum Trocken werden ist ein Entwicklungsschritt beim Kind und hat nichts mit Erziehung zu tun. Ein Fachartikel von dem mir sehr geschätzten Kinderarzt Remo Largo (der ganz nebenbei gesagt wunderbar zugewandt auf Kinder blickt und gute Bücher schreibt) zeigt deutlich: Eltern (und PädagogInnen) können das Kind beim Trocken werden zwar unterstützen…

„Den Löwenanteil aber erbringt das Kind selbst!“ (Zitat: Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle, Prof. Remo Largo)

Vor einigen Jahren noch glaubten sehr viele Eltern an den Erfolg der Sauberkeitserziehung. Schon mit knapp einem Jahr hatten damals bereits 96% der Eltern mit der Sauberkeitserziehung begonnen, indem sie ihre Kinder beispielsweise auf den Topf setzten: Töpfchentraining war IN und gehörte auch in den Kindergärten zum Standard-Programm.

Töpfchentraining ist sinnlos

Verständlich, da es keine Wegwerfwindeln gab und Windelkinder wirklich enorm viel Arbeit gemacht haben. Doch das änderte sich zum Glück mit der Zeit und damit auch die Methoden und Vehemenz der Eltern. Zum Glück. Im Rahmen der richer Longitudinalstudie wurde das Verhalten in puncto Sauberkeitserziehung von Eltern in verschiedenen Generationen (etwa 30 Jahre Unterschied) untersucht. Die Ergebnisse waren überraschend:

„Die Kinder der Zweiten Zürcher Studie wurden durchschnittlich I 300-mal weniger auf den Topf gesetzt“ (Zitat: Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle, Prof. Remo Largo)

Das heißt das Töpfchentraining wurde weniger intensiv betrieben. Wurden die Kinder dadurch etwa später trocken? Nein. Die Kurven sind sehr ähnlich! Ist Töpfchentraining etwa sinnfrei? Ja. Zumindest so wie es größtenteils gehandhabt wird.

Alle Kinder sind ab 3 Jahren trocken ist eine Lüge

Welche Erkenntnisse sind nun weiter wichtig unter dem Aspekt einer Sauberkeitsentwicklung bei Kindern? Die WENIGSTEN Kinder sind am ENDE des zweiten Lebensjahres trocken. Was oft entgegen der Haltung einiger Kindertageseinrichtungen steht, die sogar vertraglich fordern, dass Kinder ab 3 Jahren windelfrei sein müssen. Aber: Das ist absolut utopisch und steht entgegen der Entwicklung von Kindern.

„Der Zeitpunkt des Sauberwerdens wird durch die individuelle Reife des Kindes bestimmt.“ (Sauberkeitsentwicklung bei Kita-Kindern, Petra Stamer-Brandt)

Funfact: Bei unserer großen Tochter war aber exakt das der Fall. Mit drei Jahren entschied sie plötzlich, sie möchte die Windel nicht mehr. Und nach einer Woche war der Drops gelutscht. Sie war trocken. Selbstbestimmt, autonom und erfolgreich (was kleine Unfälle ab und zu allerdings auch nicht ausschließt).

Das Töpfchen gehört zum Inventar und es gibt keine Berührungsängste.

Auch ältere gesunde Kinder können Windel tragen

Tatsächlich entwickeln die Kinder im Verlauf des dritten und vierten Lebensjahres eine verlässliche Darmkontrolle. Am Anfang des fünften Lebensjahres sind rund 90% der Kinder soweit. Was aber auch heißt, dass 10% der Kinder noch nicht so weit entwickelt sind.

„Auch ein sechsjähriges Kind kann noch eine Windel tragen und wird den Zeitpunkt des Trockenwerdens finden.“ (Sauberkeitsentwicklung von Kita Kindern, Petra Stamer-Brandt)

Das ist in Ordnung und keinesfalls eine Schande! Die Blasenkontrolle entwickelt sich etwa zeitgleich mit der Darmkontrolle. Vereinzelt kann sie allerdings auch erst nach der Darmkontrolle einsetzen.

„Das Sauber und Trocken werden ist ein ganz normaler Schritt in der kindlichen Entwicklung, was kein Trainingsprogramm braucht.“ (Sauberkeitsentwicklung von Kita Kindern, Petra Stamer-Brandt)

Was heißt das nun? Kinder, die in der Kita noch mit 4 oder 5 Jahren eine Windel benötigen, sind erstmal völlig normal. Das bestätigt auch Familientherapeutin Beate Döbel in einem Interview. Es muss und DARF kein Druck entstehen, denn hierbei ist die individuelle Reifung entscheidend, nicht die Intensität des Trainings.

„Verzichten Elternhaus und Beutreuungseinrichtung auf Schimpfen, Belohnungssysteme oder gar Bestrafungen und halten sich an einige täglich geltende Toilettengehzeiten, ist meist in wenigen Wochen mit einem stabilen Erfolg zu rechnen, den das Kind mit Recht als selbst erbrachte Leistung und erste Autonomie erlebt.“ (Kita Fachtexte 2011, Gabriele Haug-Schnabel.)

Wie Eltern dennoch unterstützen können

Heißt das für Eltern nun, dass sie sich zurücklehnen können und das Kind von ganz allein trocken wird? Nein. Das auch nicht. Wie bei allen Entwicklungsschritten können Eltern unterstützen und Anreize schaffen! Und hierbei können sie sogar eine Menge tun – allerdings ganz ohne Druck oder Belohnungssysteme (diese sind in Form von Verstärkerplänen auch nur dann sinnvoll, wenn das Kind bereits Kontrolle über das Magen-Darm-Geschehen hat).

„Konkret heisst das: Eltern können Sauberkeit weder erzwingen noch antrainieren – sie können ihr Kind beim Sauberwerden lediglich unterstützen.“ (Kinder verstehen, Dr. Herbert Renz-Polster)

Der Grat zwischen Motivation und Training ist manchmal sehr schmal. Wir haben einiges versucht, um das Klo attraktiv zu machen. Beispielsweise hatten wir für kurze Zeit versucht unsere Tochter durch Stoffwindeln dazu zu motivieren, das Klo zu nutzen. Hier ist die Nässe sofort spürbar, sodass wir gehofft haben, sie möchte diese loswerden. Doch Fehlanzeige. Da Stoffwindeln ständig ausgelaufen sind, hatten wir das Experiment dann auch abgebrochen und sind zu Windeln und Windelslips zurück gewechselt.

Das Timing ist entscheidend

Aber was wir als Eltern dennoch tun können: Den richtigen Zeitpunkt abpassen. Das Kind muss bereit sein, um diesen großen Entwicklungsschritt zu gehen. Dann müssen die Eltern loslegen, ansonsten ist der Zeitpunkt verpasst und es kann tatsächlich sein, dass das Trocken werden sehr mühselig wird. Grundsätzlich gilt aber:

„Die Sauberkeitserziehung ist für die Eltern wenig aufwändig, wenn sie sich auf ihr Kind einstellen: Es bestimmt den Zeitpunkt, an dem es sauber und trocken werden will.“ (Zitat: Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle, Prof. Remo Largo)

Aber welche Zeichen sind denn nun richtig? Woran erkenne ich denn, wann mein Kind bereit ist? Nicht jedes Kind sagt geradeheraus wie unsere Große „Ich will jetzt keine Windel mehr!“. Antwort auf diese Frage, gibt diese Checkliste aus „Sauberkeitsentwicklung von Kita-Kindern*“ – ein ganz wunderbares Werk mit positivem Blick auf die Entwicklung der Kinder.

Checkliste Fit für´s Klo

Sind die körperlichen Voraussetzungen gegeben?

  • Regelmäßiger Stuhlgang zur selben Zeit
  • Windel bleibt über 3-4 Std. trocken
  • Kind kann laufen/Klo eigenständig erreichen
  • Kind merkt, dass Blase/Darm entleert werden müssen
  • Kind kann mitteilen, dass es aufs Klo muss
  • Kind kann Spiel unterbrechen, um aufs Klo zu gehen
  • Kind kann Hose selbstständig an und ausziehen

Sind  die geistigen Voraussetzungen vorhanden?

  • Besteht Interesse am Toilettengang von Eltern oder Geschwister?
  • Möchte das Kind eine nasse/volle Windel sofort entfernen lassen?
  • Möchte das Kind selbst keine Windel mehr tragen?
  • Ist das Autonomiestreben soweit entwickelt, dass es alles allein erledigen möchte?
  • Kann das Kind Anweisungen befolgen?
  • Kann das Kind Ausscheidungen benennen?

Wenn diese Liste mehrheitlich mit „Ja“ beantwortet wurde, ist das Kind bereit zum Trocken werden. Bei uns ist das leider noch nicht der Fall. Unsere Mittlere meldet seit kurzer Zeit ab und zu zurück, wenn etwas in der Windel gelandet ist. Aber es gibt auch Situationen, in denen die Windel ausläuft und keinerlei Reaktion kommt. Auch das Interesse auf dem Töpfchen oder Klo zu sitzen, geht gegen Null.

Und da liegt der Hase leider im Pfeffer begraben: Sie will nicht. Anfangs haben wir noch freundlich gefragt „Möchtest du aufs Klo?“. Es kam immer wieder ein Nein. Dann dachten wir, dass wir unsere Haltung ändern müssen und ihr damit suggerieren, dass es nun auf Klo geht: „Komm Schatz, ich begleite dich jetzt aufs Klo!“. Aber auch da kam ein klares Nein.

Ein Nein ist Nein

Versuche, das Klo attraktiv zu machen, schlugen fehl. Selbst Tablet auf dem Klo schauen schien nicht von Interesse zu sein. Da wir ohne Zwang erziehen möchten, haben wir ihre klare Haltung und den fehlenden Wunsch dazu respektiert. Kein einziges Mal musste sie gegen ihren Willen auf den Pot. Und auch Überreden oder Belohnen wollten wir sie nicht. Sie ist halt noch nicht so weit. Punkt.

Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass andere Eltern oder PädagogInnen das anders sehen und verzweifeln. Windeln kosten einfach unglaublich viel Geld, Feuchttücher auch, erhöhte Müllgebühren… Es kostet Zeit, es stinkt… Windeln sind nicht cool. Ganz und gar nicht. Aber Druck halt auch nicht. Und ich glaube auch nicht, dass es so viel zeitsparender ist, einem Kind, welches noch nicht bereit ist, die Windeln wegzunehmen und es mehrmals am Tag abduschen zu müssen, statt die Windel zu wechseln. Aber was nun?

Eltern sind ein Vorbild

Ein VORBILD sein, ist das A und O. Wie schon in anderen Aspekten der Erziehung ist es wichtig, das, was wir von den Kindern erwarten, selbst vorleben. Ich lasse immer meine Socken im Wohnzimmer liegen, das Kind soll aber stets das Spielzeug wegräumen? Ja nee, ist klar…

Hier gehen wir ganz offen mit dem Thema Toilettengang um. Beispiel gefällig? Oft kommt auf die Frage: „Wo ist denn Papa?“ die prompte Antwort der Großen: Der ist bestimmt wieder Kacka machen! Gefolgt von Gelächter. Kinder, so ehrlich. So schön die Kacka-Phase… Hier bleibt nichts verborgen, keine Tabus und niemand bleibt allein.

Endlich mal wieder allein auf Klo gehen, ist der Wunsch vieler Eltern. Aber tatsächlich ist es förderlich, das Kind, sollte das Interesse am Klogang geweckt worden sein, mit aufs Klo zu nehmen, damit es die Vorgänge miterleben kann. Vielleicht nicht gerade zur Sitzung nach einem kräftigen Bohneneintopf… Nunja, ihr wisst schon…

Was Eltern aktiv zur Unterstützung tun können

Hier ist es so, dass die Kinder ständig mit dabei sind oder aber das mittlere Kind dem großen Kind dabei Gesellschaft leistet. Ein Klogang ist hier völlig normal und auch über die Ausscheidungen sprechen wir ohne Scham. Wir besitzen zudem einiges an Lektüre, die sich mit der Verdauung, den Ausscheidungen und der Toilette befassen.

So tasten wir uns Schritt für Schritt an das Thema heran und lassen es in den Alltag miteinfließen, ohne Druck aufzubauen. In erster Linie erfährt unser Kind, was in ihrem Körper passiert und warum. Doch welche Punkte können Eltern noch berücksichtigen deren Kinder vielleicht schon etwas weiter sind?

  • Vorbild sein, das Kind am Klogang teilhaben lassen, offen darüber kommunizieren (aber nicht angeekelt)
  • Bequeme Kleidung zur Verfügung stellen: Bei uns tragen die Kinder Leggins und Hosen mit Gummibund  (Hosenknöpfe, Gürtel, Hosenträger etc. stellen eine große Hürde für Kleinkinder dar)
  • Hilfestellung beim selbstständigen Entkleiden und Ankleiden geben
  • Verschiedene Alternativen zum Topf bieten (wir haben einen gepolsterten Paw Patrol Toilettenaufsatz sowie einen schlichten, dünnen)
  • Ein Hocker erleichtert den Aufstieg zur Toilette
  • Die Toilette entsprechend attraktiv gestalten (wir haben ein glitzerndes beheiztes Klo mit Paw Patrol Erdbeerschaumseife)

Warum ein Buch für PädagogInnen?

Ich hatte mir das Hörbuch zur Sauberkeitsentwicklung* ursprünglich gekauft, um ein Gefühl für PädagogInnen zu erhalten, die in der Sauberkeitsentwicklung in der Kita involviert sind. Ich wollte gern ihre Perspektive kennenlernen, da ich ja nur meine Mama-Perspektive kenne. Mein Ziel war, das Vorgehen von PädagoInnen zu verstehen.

Ein Perspektivenwechsel ist manchmal unerlässlich, weil natürlich jede Partei ein bestimmtes Wissen mitbringt, bestimmte Werkzeuge zur Verfügung hat und demnach nicht alle Wege beschritten werden können. Da es mir aber sehr wichtig ist, einen gemeinsamen, wertschätzenden Weg zu gehen, hielt ich es für sinnvoll, mir gerade zum Thema Sauberkeitsentwicklung Wissen anzueignen, welches über meine Mutter-Instinkte herausgeht. Denn bei der Sauberkeitsentwicklung geht es auch darum:

„An einem Strang ziehen, beschleunigt den Erfolg. Gemeinsame Absprachen, über die Begleitung des Kindes beim Sauberwerden, sollten in der Einrichtung wie zu Hause gelten.“ (Kita Fachtexte 2011, Gabriele Haug-Schnabel)

Daher ist es wichtig, dass Eltern der Kita ihre Schritte zur Unterstützung der Sauberkeitsentwicklung stets mitteilen – und umgekehrt!

Warum das Buch auch Eltern helfen kann

Weiterhin ist mir bei der Lektüre des Buches aufgefallen, dass es nicht nur eine wunderbare Hilfestellung für PädagogInnen sein kann, sondern auch Eltern wertvolles Wissen vermittelt. Darum möchte ich es euch von Herzen empfehlen! Immer wieder wird die Haltung klar, dass Kinder ein eigenes Tempo haben und wir dies einfühlsam begleiten können, Druck aber unnütz ist oder sogar den gegenteiligen Effekt erzielen kann!

Das Buch hat mir auch nochmal den Druck von den Schultern genommen und zeigt zudem weitere Wege auf, um das Kind beim Sauberwerden zu unterstützen. Natürlich werde ich das nun nicht alles vorweg nehmen, da ich die Autorin und ihr Werk supporten möchte. Das Hörbuch ist nur knappe anderthalb Stunden lang und lässt sich ganz leicht neben dem Haushalt oder bei der Einschlafbegleitung (mit Kopfhörern) genießen.

Die Sprecherin hat eine ganz tolle Stimme und gibt die Inhalte unaufgeregt und auf den Punkt betont wieder. Dieser Mini-Ratgeber ist leichte Kost und liefert dennoch viele wertvolle Ansätze und wichtiges Wissen zur kindlichen Entwicklung! Wenn auch ihr mit dem Thema Sauberkeit hadert und sogar schon Druck verspürt, kann ich euch nur dringlich raten, das Buch zu kaufen. Oder ihr glaubt mir auch so, dass euer Kind alle Zeit der Welt hat und Druck einfach Scheiße ist (der musste jetzt sein).

Wertschätzende Leitlinien für PädagogInnen

Doch auch für PädagogInnen, die hier mitlesen, gebe ich eine Empfehlung mit. Allein das Wissen über die körperliche und kognitive Entwicklung der Kinder ist Gold wert. Weiterhin fand ich diese exemplarischen Leitlinien, die ich auf  Twitter in einem Thread vorgestellt hatte, ganz wunderbar und am Kindeswohl orientiert. Solche Leitlinien zur Sauberkeitserziehung wünsche ich mir für alle Einrichtungen, die mit Kleinkindern zu tun haben:

Wie gelingt nun die Zusammenarbeit zwischen Eltern und PädagogInnen am Besten? Die Basis muss stimmen. Und die Wertevorstellungen rund um das Thema Sauberkeit. Ich finde dieser Blick darauf formuliert treffend, worum es bei der Sauberkeit von Kita Kindern gehen sollte – und was es nicht sein darf:

„Die Begleitung bei der Entwicklungsaufgabe, Darm und Blase kontrollieren zu können, und das Wickeln haben eine neue Wertigkeit bekommen. Statt lästiger Pflicht – außerhalb des pädagogischen Auftrages – wurden sie zu wertgeschätzten Pflege- und Lernhandlungen, die Anlass für Wohlbefinden, Beziehungsgestaltung und Bildung bieten.“ (KiTa Fachtexte 2011, Gabriele Haug-Schnabel.)

Das Kind entscheidet.

Und nicht vergessen, in einem Punkt sind sich die genannten Autoren sowie anderen AutorInnen aus Pädagogik oder Medizin hier ziemlich einig: Der Wunsch sauber werden zu wollen, muss vom Kind aus gehen. Nicht von den Eltern. Nicht von den ErzieherInnen. Nicht von Tante Gertrud. Kinder sind keine Roboter, die nach Update X plötzlich rund laufen. Sie sind einzigartig und individuell in ihrer Entwicklung. Und sollten genau so angenommen werden, wie sie sind.

Falls ihr dennoch Bedenken habt, könnt ihr das Kind beispielsweise einem Kinderarzt vorstellen. Dieser kann prüfen, ob körperlich alle Funktionen in Ordnung sind. Aber auch hier gilt: Zu viele und zu frühe Untersuchungen bauen zu viel Druck auf und können die Situation erhärten. Geduld und Gelassenheit führen in den meisten Fällen eher zum Ziel: Ein rundum glückliches und windelfreies Kind, welches den selbstbestimmten Schritt zu mehr körperlicher Kontrolle und Selbstständigkeit bewältigt hat.

Und jetzt erzählt mir doch Mal, wie lief oder läuft es bei der Sauberkeitsentwicklung eurer Kinder? Und welche Erfahrungen habt ihr mit Einrichtungen wie Kita oder auch Tagesmutter hierbei gemacht? Habt ihr auch diesen immensen Druck verspürt oder ward ihr von Anfang an gechillt? War euer Kind ein „Selbstläufer“ oder habt ihr viel Geduld benötigt, um die Sauberkeitsentwicklung respektvoll begleiten zu können? Ich freue mich auf wertschätzende, zugwandte Kommentare 🙂

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Übersicht meiner genutzten Quellen:

Sauberkeitsentwicklung bei Kita-Kindern“ – Petra Stamer-Brandt, cc-live; 1. Edition (16. September 2016)

Physiologische und psychologische Aspekte der Sauberkeitsentwicklung“ – KiTa Fachtexte 2011, Gabriele Haug-Schnabel. KiTa Fachtexte ist eine Kooperation der Alice Salomon Hochschule, der FRÖBEL-Gruppe und der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).

Wie gelingen die Erziehungsziele: Blasen- und Darmkontrolle?  Wie werden Kinder ausscheidungsautonom?“ – Familienhandbuch vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) (10. September 2020)

Wie Kinder sauber werden“ – Kinder verstehen von Dr. Herbert Renz-Polster

Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle“ – Script 7/2003 Prof. Remo Largo

Belohnungssysteme, Tokensysteme und Verstärkerpläne – Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Trocken werden – Warum Töpfchentraining unnötig ist“ – Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Familientherapeutin erklärt, ab wann Kinder ohne Windel auskommen“ – Focus Online, Familientherapeutin Beate Döbel

 

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