Heilende Geburt - Geburtsbericht

Wer Vrenis Geburten mitverfolgt hat, weiß, dass nun Geburt Nummero 3 ansteht. Nach einer Horrorgeburt mit Henri und einer etwas versöhnlicheren Geburt mit Mati, steht nun Fritz in den Startlöchern, um seiner Mama nochmal ein ganz anderes Bild von Geburten mitzugeben. Lest selbst…

Schmerzfreie Geburt? Nicht so ganz

Als Fritz unterwegs war, lagen die Geburten der Jungs schon sechseinhalb und siebeneinhalb Jahre zurück. Natürlich erinnerte ich mich noch an den Horror von Henri, also stand für mich fest: nur mit PDA. Das gestaltete sich bei Fritz allerdings gar nicht so einfach, da ich schon die komplette Schwangerschaft Heparin spritzen musste. So habe ich, als die Geburt in Sichtweite rückte, bei jeder Spritze immer wieder ausgerechnet, wie lange ich zur Not die Wehen wegatmen muss, bevor gestochen werden kann. Denn natürlich habe ich nicht wie ich sollte immer zur gleichen Zeit gespritzt.

Meine Ärztin – die beste der Welt, falls ihr es vergessen habt – meinte aber, ich solle mir keine Sorgen machen. Falls ich wegen des Heparins keine PDA bekommen dürfe, solle ich es einfach mal mit Lachgas probieren. Das würde den Schmerz der Wehenspitze nehmen. „Darf ich das auch bei den Presswehen nehmen?“ „Ja.“ „Und nimmt das auch den Schmerz, wenn das Köpfchen kommt.“ „Der Schmerz ist nicht so groß, wenn Sie die Wehen spüren.“

„Aber die spüre ich ja nicht.“ „Ja, es nimmt auch den Schmerz etwas. Aber Sie dürfen keine falsche Vorstellung haben. Der Schmerz ist schon da. Aber nicht so enorm.“ Na toll!

Aber die möglicherweise fehlende PDA war nicht die einzige Hürde, die ich meistern musste. Im Dezember, ich hatte also noch gut vier Monate, verkündete mir meine Ärztin, dass sie im neuen Jahr nicht mehr im Krankenhaus entbindet. Waaaas? Das durfte doch nicht wahr sein. Meine Ängste sind bis ins Unermessliche gewachsen. Niemand, der mir Mut macht. Niemand, der der Hebamme sagt, dass es unnötig ist, mir die PDA auszureden. Und niemand, der den Anästhesisten zwingt, die PDA ordentlich hochzudrehen.

Das Timing war… perfekt?!

Nun gut. Was sollte ich machen? Irgendwie würde ich auch das hinter mich bringen. Uns diesmal war ganz klar: Zum letzten Mal! Mehr als drei wollten und wollen wir auf keinen Fall. Tatsächlich ließ der Gute dann ganz schön auf sich warten. Erst sechs Tage nach Geburtstermin kündigten sich die ersten Wehen an. Das Beste war, dass unser Nachbar zwei Monate lang das Telefon mit ans Bett hatte, falls es losgeht und es schnell gehen musste. Angeblich flutscht das dritte Kind ja einfach so raus.

Am Abend vor der Geburt meinte er aber, es müsse heute Nacht nicht gerade sein. Am nächsten Morgen stand die Kommunion der Tochter an. Das war Fritz‘ Stichwort.

Morgens gegen fünf (es war 4.48 Uhr) kamen die ersten Wehen. Puh! Ich hatte einen Tag vorher zuletzt gespritzt, also war die PDA sicher. Und meine Mama war kurze Zeit später da. Fritz ist zwar nicht rausgefluscht, aber das war schon gut. Unter der Dusche merkte ich schon, dass die Wehen immer heftiger und in immer kürzeren Abständen kamen. Im Auto kamen sie dann schon alle zwei Minuten.

PDA trotz Heparin sicher – oder doch nicht?

Gegen halb sieben kamen wir im Krankenhaus an. Wie bei Mati schon, habe ich mich dort super aufgehoben gefühlt. Es war sogar eine Doula da. Bis heute habe ich eigentlich gar keine Ahnung, was genau ihre Aufgabe war. Aber die hat sie super gemacht 😉 Ich war vom ersten bis letzten Moment tatsächlich nie alleine mit meinem Mann. Aber auch der war ja nun schon geübt. Nun gut …

Bei der Ankunft jedenfalls habe ich mich direkt vorgestellt „Hallo, ich heiße Verena Hilt und ich möchte eine PDA.“ Alle wollten erstmal schauen, aber ich habe schon gespürt, dass ich keine Zeit habe. Trotzdem wurde mir erstmal Blut abgenommen. Die Anästhesisten würden auf keinen Fall eine PDA legen, wenn sie kein „Go“ aus dem Labor bekommen. Was?? Die letzte Spritze war fast 24 Stunden her!? „Ja, aber es kann immer was sein. Wir müssen das erst kontrollieren.“ Was soll denn bitte sein?

Lachgas: eine Alternative?

Während wir also kostbare Zeit verschwendet haben, habe ich mich schonmal umgezogen und mein Mann hat mir gesagt, dass ich schön aussehe. Tatsächlich habe ich mich in dem Moment das erste Mal seit ungefähr acht Monaten auch so gefühlt. Danke 🙂 Er wollte sich einen Kaffee holen, aber die Hebamme meinte, er solle warten. Zum Frühstück wären wir fertig. Ich hab ja gesagt – keine Zeit! Okay, eine Ladung Lachgas konnte dann aber ja schonmal nicht schaden. Also habe ich danach gefragt. Die Wehen waren nämlich tatsächlich vom Schmerz her eher so wie bei Henri. Sprich: Schlimm. Ich habe es kaum ausgehalten, aber ich wusste ja: Gleich sind sie vorbei. Ich sollte Recht behalten, aber anders als ich erwartet habe.

Das Lachgas – nun ja, was soll ich dazu sagen? Gewirkt hat es. Gut drauf war ich. Den Schmerz hat es mir tatsächlich in keiner Sekunde genommen. Aber es war mir … naja … egaler. Auf eine irgendwie schöne und lustige Art und Weise. Die Hebamme war auch der Hammer. Super nett und einfühlsam. Die Ruhe in Person. Vielleicht war das auch der Einfluss der Doula. Die hat so ruhig und langsam mit mir geredet, dass ich manchmal dachte, sie spricht rückwärts. Kann aber auch das Lachgas gewesen sein.

Auf jeden Fall wollte mir nun diese tolle Hebamme das Lachgas wegnehmen. Was? Nein! Ich habe die Maske festgekrallt, also ist sie abgerissen. Was mich nicht davon abgehalten hat, sie weiter auf Mund und Nase zu drücken. Gas kam nicht mehr. Ja … das war so lustig wie es sich anhört. Ich erinnere mich nicht mehr hundertprozentig daran, aber ich erinnere mich an das Lachen meines Mannes. Nochmal Danke 🙂

Jetzt aber die PDA – oder doch nicht?

Dann endlich kamen die Anästhesisten. Die Werte waren in Ordnung. Wer hat’s gesagt? Aber Moment … Was? Die Praktikantin mit der Zahnspange wollte mir die PDA setzten? Gab es keinen Arzt? Ah… Da kam er. Der sah ja genauso inkompetent aus. Das lag wohl daran, dass das der Hilfsarbeiter war und die Zahnspangen-Lady die Ärztin. Na das konnte ja heiter werden. Zunächst wurden sie wieder weggeschickt. Was? Es sei zu spät hieß es. Ähm … wieder Lachgas her. Schnell. Dann irgendwann habe ich mich so wehement gewehrt mitzumachen, dass die beiden doch wieder gerufen wurden.

Ging doch! Ich machte meinen Rücken frei. Der wurde desinfiziert. Alles war allerdings etwas schwierig, da ich vor Schmerzen nicht gerade sitzten konnte. Immer wieder bin ich etwas zur Seite gekippt. Vor Kurzem habe ich mich mit einer Freundin genau über diese Szenen unterhalten. Ihr ging es genauso wie mir. Das Skurille an der Sache ist, dass man tatsächlich noch denkt, aus dieser Situation wieder rauszukommen. Man hat zwar keine Ahnung wie, aber irgendwie glaubt man fest daran. Kam ich natürlich nicht wie ihr euch vorstellen könnt 😉

Das Kind kommt jetzt!

Im Nachhinein hat mein Mann mir erzählt, dass die Anästhesisten, die Hebamme und die Ärztin, die irgendwann noch dazu kam, sich über mich unterhalten haben. Sie würden das jetzt nur noch machen, damit ich mitmache. Denn die PDA würde sowieso nicht mehr wirken. Fritz käme sofort. Habe ich nicht gehört. Oder wollte ich nicht hören. War mir auch egal. Ich würde dann halt erst wieder mitmachen, wenn sie wirkt. Pfff …

Und dann ging alles ganz schnell. Noch bevor die Zahnspangen-Ärztin zustechen konnte, waren die Herztöne weg. Ich musste mich sofort auf den Rücken legen, um zu kontrollieren, ob noch alles in Ordnung war. Ich habe noch gehört, wie die beiden sich verabschiedet haben. Was? Und meine PDA?? „Keine Zeit Frau Hilt. Die Herztöne sind wieder da. Das Baby kommt jetzt.“ „Aber ich brauche das Lachgas noch.“ „Nein, Frau Hilt. Das Baby kommt jetzt. Genau jetzt. Pressen Sie.“ Wow. Ähm. Ich will nicht!?

Die Geburt oder die Heilung

Und dann hat es Klick gemacht. Ich wusste, wenn ich jetzt mitarbeite, kann ich Fritz in zehn Minuten im Arm halten.

Wie die Geburt vollkommen ohne Schmerzmittel abläuft, möchte ich euch ersparen. Wer es dennoch lesen möchte, kann das zum Beispiel sehr anschaulich in dem Artikel „Der Ausweg aus meinem Alptraum – Maries Geburt“ von Yasmin nachlesen. Und ich kann natürlich nicht sagen, dass es nicht wehgetan hat. So eine Geburt tut scheiße weh. Aber jetzt kann ich euch alle doofen Floskeln an den Kopf werfen, die ich nicht mehr hören konnte. Ja, eine Geburt tut weh und ist doch so wunderschön. Ja, jede Wehe bringt euch dem Baby näher. Und ja, der Schmerz ist im selben Moment vergessen, da ihr das Baby im Arm haltet.

Als ganz besonderes Glück habe ich es empfunden, dass ich sofort aufstehen konnte und nicht noch stundenlang meine Beine nicht gespürt habe. Ich war selbstverständlich über alle drei Kinder gleich glücklich. Aber dieser Moment und auch die Minuten danach waren unbeschreiblich. Nie habe ich mehr Stolz empfunden als darüber, Fritz ohne Schmerzmittel bekommen zu haben.

Alles hat sich viel echter angefühlt. Und obwohl es wehgetan hat, hat es sich tatsächlich gut angefühlt.

Das Chaos davor, der misslungene PDA-Versuch, die Doula und Hebamme, die Ärztin, mein Mann, die Geburt und Fritz – alles war einfach perfekt. Ja, genau so hat es sich angefühlt: Vollkommen. Ich war geheilt. Wenn ich heute Neugeborene sehe, bekomme ich tatsächlich nicht mehr dieses seltsame Gefühl. Immer dachte ich mit etwas Panik an die Geburt von Henri zurück. Matis hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Jetzt aber verspüre ich tatsächlich vor allen eins: Glück.

Tipp: Niemals soche Artikel lesen 😉

Seid ihr Erstgebärende und habt dummerweise meinen Artikel gelesen? Habe ich auch haufenweise vorher. Ich kann euch sagen: alles wird gut. Ich habe natürlich nur meine Erfahrungen geschildert. Und ich kann euch etwas mit auf den Weg geben: Ihr solltet euch nicht darauf versteifen, wie die Geburt tatsächlich aussehen soll. Und auch Angst müsst ihr keine haben. Ihr wisst sowieso nicht, was auf euch zukommt. Man hat so gut wie keinen Einfluss darauf, was einen erwartet. Stellt euch vor, ihr habt monatelang Angst vor einem Notkaiserschnitt, schlaft Nächte nicht aus Angst vor 30 Stunden Wehen. Und am Ende fluscht euer Kind in zwei Stunden raus und alles war super. Umgekehrt wäre es noch viel schlimmer.

Es kommt einfach so, wie es kommen soll. Ich habe sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Vom Horrortripp, der sicherlich auch noch schlimmer geht, über eine nahezu schmerzfreie Geburt, bis hin zu einer Traumgeburt. Und wenn ihr doch einen Tipp von mir wollt, dann kann ich euch sagen: Lasst euch nicht scheiße behandeln. Auch wenn ihr Schmerzen habt und auch wenn ihr Angst habt – oder gerade dann – kann man sagen, dass man eine andere Hebamme möchte. Oder man kann sagen, dass sie gefälligst nett zu einem sein soll. Zur Not kann das auch der Mann, oder wer auch immer euch begleitet, tun. Sich wohlfühlen ist das A und O. Und ich kann euch sagen: Ja, es gibt sie. Die wundervolle Geburt. Es muss nicht so sein, aber jetzt weiß ich, dass es so sein kann. Ich habe sie erlebt. Und ich wünsche sie euch auch.

Wer schreibt denn hier?

Ich heiße Vreni, eigentlich Verena, bin 37 Jahre alt, Mama von drei wundervollen Jungs sowie Frau von einem wundervollen Mann – tief im Innern eigentlich auch noch ein Junge 😉 Als Werbekauffrau und Medienwirtin nutze ich gerade meine Elternzeit, um mich dem Bloggen hinzugeben. Und was soll ich sagen: Ich habe es für mich entdeckt. Es macht einfach Spaß <3 Ob Leistungssport im Kindes-, Abnehmwahn im Teenie- oder vollgekackte Babywindeln im Erwachsenenalter. Irgendwie ist doch alles total verrückt, wenn man es nur manchmal mit Humor betrachtet. Zumindest ich habe beschlossen, es so anzugehen. Also schreibe ich darüber. Und ich tue Kund.

Neben ihrem Blog findet ihr Vreni auf Facebook und Instagram 🙂