Freitagsgedanke: Kind und Karriere miteinander vereinbaren

rabenmuttiKind und Karriere vereinbaren, geht das? Laut Spiegel arbeiten rund 68 Prozent der Mütter (mit Kindern unter 15 Jahren). Davon widerrum sind rund 69 Prozent der berufstätigen Mütter in Teilzeit (vgl. DEStatis) beschäftigt. Sind wir alle Rabenmütter?

Eines ist klar: Viele Mütter wollen gar nicht arbeiten, aber sie müssen. Sie ernähren damit ihre Familie, weil sie entweder alleinerziehend sind oder, weil das Einkommen eines Einzelnen nicht ausreicht. Es gibt aber auch dieMütter, die arbeiten, weil es ihnen Spaß macht, weil sie es brauchen. Ich gehöre irgendwie zu beiden Gruppen: Einerseits habe ich durch das Studium sehr große Schulden aufgebaut, die ich selbst abbauen möchte. Dafür benötige ich natürlich Geld, mein Mann soll diese Schulden nicht bezahlen, sie entstanden lange vor der Ehe. Aber ich arbeite auch einfach gern! Ich war schon vor der Schwangerschaft eine Art Worcaholic und werde unruhig, wenn ich nicht arbeiten kann 😉 Bin ich eine Rabenmutti? Wahrscheinlich ja…. Dennoch fällt mir das Arbeiten auch schwer.

Kind und Karriere, wenn das mal so einfach wäre

Mir macht meine Arbeit Spaß, die Kollegen sind nett, das Arbeitsklima ist relaxed. Ich gehe gern zur Arbeit und schon habe ich ein schlechtes Gewissen. Morgens liefere ich meine Maus Montags-Mittwochs für knappe 9 Stunden täglich bei der Tagesmutter ab.  Sie liebt Tanja, keine Frage! Unsere Tagesmutter ist herzlich und geht super mit Kindern um. Claire geht wirklich sehr, sehr gerne zu ihr. Aber dennoch setze ich mich ins Auto und blicke in den Rückspiegel und sehe – nichts. Meine Maus ist nicht da. Jeden Morgen die gleiche Situation, jeden Morgen spüre ich einen Stich. Bin ich allerdings erstmal auf der Arbeit, ist das Gefühl verflogen. Ich gehe voll in meinem Element auf und freue mich des Lebens. Das Gefühl kehrt zurück, wenn ich Claire von der Tagesmutter abhole und sie mir erzählt, was sie alles tolles gemacht hat. Da ist er wieder, der Stich unter dem Herzen. Wieso habe nicht ICH das mit ihr erlebt? Wieso habe ich diesen Fortschritt nicht als erste gesehen? So geht es Tag aus, Tag ein. Liegt es daran, dass ich Zwlling bin und einfach von Grund auf zwei verschiedene Persönlichkeiten an den Tag lege? Das Muttertier und den Worcaholic? Oder geht es vielleicht auch anderen Müttern so?

Kein Verständnis für die Rabenmutti

Wenn ich mich vorsichtig in den Mutti-Gruppen umhöre, gibt es immer zwei Lager: Die Vollblutmütter, die jahrelang zu Hause bleiben und ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen und die Mütter, die ihr Kind bereits mit weniger Monaten abgeben, weil das Geld nicht ausreicht und sie sich von ihrem Kind trennen müssen – ungewollt. Irgendwie erhalte ich weder von der einen, noch der anderen Gruppe Verständnis. Warum? Ich verstehe das nicht… Nur, weil ich gern arbeite, bin ich doch keine schlechte Mutter, oder doch? Wenn ich könnte, wäre ich noch ein weiteres Jahr zu Hause geblieben. Allerdings hätte ich dennoch von zu Hause aus gearbeitet 😉 Mich erfüllt die Arbeit. Es wäre nur sehr viel schöner gewesen, wenn ich dennoch alle Schritte mit meiner Maus miterlebt hätte…

Schuldgefühle, Zukunftsängste…

Man kann nicht alles haben, das ist mir klar! Allerdings plagen mich neben Schuldgefühle auch Angst um meine Zukunft. Als Frau, nicht als Mutter. Nach dem Studium habe ich bisher viele praktische Erfahrungen gesammelt, eigentlich waren meine Arbeitszeugnisse gut, die Arbeitgeber zufrieden. Aber all das ist nichts mehr Wert, wenn ich 3 Jahre nicht gearbeitet habe – im Onlinewesen ist man schnell weg vom Fenster. Und damit wäre das Studium hinfällig und damit auch die Schulden. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte niemals studiert… Diese Schulden hängen wie ein Schwert über meinem Kopf. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit schnürt mir die Luft zu. Ob ich es jemals schaffe, ordentlich Fuß zu fassen? Ich weiß es nicht, ich hoffe es. Irgendwas sagt mir, dass ich keine Chance mehr habe, so ein kleines Teufelchen in meinem Ohr. Ich wünsche mir, dass das Teufelchen irgendwann schweigt und ich die Zeit mit meiner Maus endlich mehr genießen kann. Wie machen das andere Mütter nur? Wie vereinbaren sie nur Karriere UND Kind miteinander. Wie schalten sie die Schuldgefühle aus? Hoffentlich finde ich die Antwort eines Tages.

By |September 19, 2014|Categories: Dies & Das|Tags: , , |5 Comments

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5 Kommentare auf "Freitagsgedanke: Kind und Karriere miteinander vereinbaren"

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Luisa
Gast
Luisa
Also ich kann dich verstehen. Ich gehe auch gern arbeiten. Nicht weil ich unbedingt muss, sondern weil ich es will. Jahrelang daheim bleiben und mich ausschließlich um meine Kinder kümmern, das liegt mir nicht. Ich bin einfach nicht so. Mir macht es keinen Spaß zu basteln und zu singen und stundenlang mit den Jungs zu spielen. Das klingt jetzt vielleicht hart, aber so ist es nunmal. Ich hab dafür einfach keine Begabung. Das heißt nicht, dass ich meine Kinder nicht liebe oder ich nicht gern mit ihnen zusammen bin. Ganz im Gegenteil, ich hätte gern noch mehr Kindern. Kinder sind… Read more »
Dorothea Stiller
Gast
Ich verstehe nicht, warum Frauen sich immer selbst zerfleischen sollen, nur weil sie noch ein Leben außer den Kindern haben. Wenn deine Tochter sich bei der Tagesmutter wohlfühlt, gibt es doch keinen Grund für ein schlechtes Gewissen. Dafür nehmen sich arbeitende Mütter oft viel bewusster Zeit für ihre Kinder und sind eventuell auch zufriedener und ausgeglichener. Mal ganz abgesehen von dem Aspekt, den du ansprichst: was, wenn man zuhause bleibt und einen dann niemand mehr einstellen will? Schließlich kann man heute nicht mehr unbedingt davon ausgehen, dass man bombenmäßig abgesichert ist. Was, wenn man sich z.B. trennt – statistisch gesehen… Read more »
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[…] Naja und gewisse andere Probleme, die durch das Wochenebtt auftraten. Und ich hatte anfangs mit Gewissensbissen zu kämpfen, die auch noch immer […]

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